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Die schwarzen Vasapapageien

Madagaskar hat viele faszinierende tierische Bewohner. Nur eines hat die Insel im Indischen Ozean nicht: Große, bunte Papageien. Stattdessen hat die Evolution sich hier etwas ganz eigenes ausgedacht. In den madagassischen Tropen sind die Papageien vollkommen schwarz.

Die ungewöhnlichen Vögel heißen Vasapapageien. Es gibt verschiedene Arten: Einmal den großen Vasa (Coracopsis vasa). Er wird in drei Unterarten eingeteilt, von denen zwei auf Madagaskar selbst und eine auf den Komoren vorkommt. Dann gibt es den kleinen Vasa (Coracopsis nigra), der sich ebenfalls noch einmal in zwei Unterarten aufteilt. Äußerlich unterscheiden sich die verschiedenen Arten vor allem durch ihre Größe. Der große Vasa wird rund 50 cm lang und über 400g schwer, der kleine Vasa erreicht lediglich 35 cm Körpergröße. Passend zur außergewöhnlichen Gefiederfarbe rufen Vasapapageien nicht besonders melodisch. Ihr Geschrei ist ellenweit zu hören. An den Rufen kann man auch den großen vom kleinen Vasa gut unterscheiden.

Ein Vasapapagei in Anjozorobe knabbert unreife Früchte von einem Ast

Vasapapageien kommen auf ganz Madagaskar vor. Sie bewohnen sowohl den sehr kargen Süden der Insel als auch die immerfeuchte Ostküste, den von Savannen und Trockenwäldern geprägten Westen als auch den feucht-warmen Norden. Wie fast alle Papageien leben Vasas gerne in Schwärmen zusammen. 10 bis 15 Vögel ziehen tagsüber gemeinsam umher. Zum Schlafen und während der Nahrungssuche finden sich auch größere Schwärme von bis zu 200 Vasas zusammen.

Auf dem Speiseplan stehen vor allem Früchte und Beeren, aber auch viele Samen wie die des Baumes der Reisenden, Tamarinden, Guaven oder Mangos. Weniger gern gesehen wird es von den madagassischen Bauern, wenn sich die schlauen Vasas an Mais, Reis und Maniok gütlich tun. Vasas fressen bevorzugt unreife Früchte. Das verschafft ihnen einen Futtervorteil gegenüber anderen Vögeln und Nagetieren, die erst zu einem späteren Zeitpunkt an den gleichen Bäumen fressen.

Die Paarungssaison beginnt mit der Regenzeit ab Oktober. Vasapapageien geben sich viel Mühe beim Umwerben der von ihnen auserkorenen Dame. Sie fliegen immer wieder zu ihr hin und füttern sie sogar aus dem Schnabel. Allerdings sind beide Geschlechter nicht gerade treu. In jeder Saison finden sich neue Pärchen zusammen. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass mehrere Männchen oder Weibchen in „gemischter Ehe“ zusammenleben. Die Vögel paaren sich nur ein-, zwei Mal am Tag. Die Paarung kann jedoch über eine Stunde andauern! Im Gegensatz zu vielen anderen Vögeln haben männliche Vasapapageien einen vorstülpbaren Kloakenteil, der in die Kloake des Weibchens eingeführt wird. Das erleichtert die Übertragung des Samens, die bei anderen Vögeln nur durch kurzes Aufeinanderdrücken der Kloaken erfolgt.

Das Weibchen legt zwei bis vier Eier. Es brütet allein, das Männchen beteiligt sich daran nicht. Immerhin sorgen die Herren der Schöpfung jedoch für ausreichend Futter-Nachschub. Gebrütet wird in Baumhöhlen, die sich gute fünfzehn Meter über dem Boden befinden. Diese enorme Höhe schützt die Küken vor Nesträubern wie der Madagaskar-Hundskopfboa. Meistens verlieren die Weibchen während der Brut Federn am Kopf. Sie sehen dann aus, als wäre ihr Kopf orangefarben verfärbt. In Wahrheit schimmert einfach nur die Kopfhaut durch. Die Brut ist für Papageien ungewöhnlich kurz: Es dauert nur etwas über zwei Wochen, dann schlüpfen bereits die jungen Vasas. Große Vasapapageien können bis zu 50 Jahre alt werden.

Ein Vasa in einem winzigen Käfig in Antsohihy

Vasapapageien untersuchen ihre Umgebung gern und lieben es, neue Dinge auszuprobieren. 2015 wurde erstmals bei Vasapapageien in einem Zoo dabei beobachtet, wie sie sich die Nutzung von Werkzeugen aneigneten. Einzelne Vögel fanden heraus, wie man mit Hilfe kleiner Kiesel Muschelschalen abkratzen oder kleine Stückchen herausbrechen kann, um an das wichtige Kalzium zu gelangen. Vasapapageien gehören damit zu nur drei von den aktuell rund 300 existenten Papageienarten, die schon bei der Nutzung von Werkzeugen beobachtet wurden.

Wegen ihrer hohen Intelligenz werden Vasapapageien auf Madagaskar gerne als unterhaltsames Haustier gehalten. Sie werden wild gefangen, für sehr geringe Geldbeträge verkauft und fristen ihr Dasein dann meist einzeln in winzigen Verschlägen. Sowohl der Fang in der Wildnis als auch die fragwürdige Haltung sind auf Madagaskar offiziell illegal, geahndet werden Verstöße aber kaum. Vor allem im Westen und Süden der Insel, in denen die Trockenzeit sehr lang werden kann, werden Vasapapageien zusätzlich hin und wieder zum Verzehr gejagt.

Um Vasas zu beobachten, sollte man vor allem die passende Reisezeit beachten. In den Nationalparks Ankarafantsika, Tsingy de Bemaraha und Tsimanampetsotsa sind sie besonders gut zu beobachten. Außerdem können wir die Schutzgebiete Anjozorobe-Angavo, das Reservat Kirindy und die Beobachtung vom Boot aus entlang des Tsiribinha empfehlen.

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