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Informationen zum Coronavirus

Das Coronavirus (SARS-CoV-2, Abkürzung für severe acute respiratory syndrome coronavirus 2, zu deutsch“ schweres akutes respiratorisches Syndrom-Coronavirus-2″) hält bereits seit Monaten die ganze Welt in Atem. Mit der Pandemie ist auch das Reisen nach und in Madagaskar stark eingeschränkt worden. Diese Seite gibt den jeweils aktuellen Stand der Dinge auf der Insel wieder.

Wann kann man wieder nach Madagaskar reisen?
Stand: 01.10.2020

Seit dem 01. Oktober 2020 sind Madagaskars Grenzen wieder geöffnet, allerdings nur in Teilen. Aktuell darf ausschließlich die Insel Nosy Be im Nordwesten Madagaskars mit dem internationalen Flughafen Fascene von internationalen Flügen bedient werden. Je nachdem, wie gut es mit den ersten eintreffenden Reisenden auf Nosy Be klappt, sollen bis Ende Oktober 2020 auch andere Bereiche Madagaskars wieder zugänglich gemacht werden.

Welche Einschränkungen gibt es aktuell?
Stand: 01.10.2020

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist auf ganz Madagaskar auf Straßen, Plätzen und in jeglichen öffentlich zugänglichen Bereichen, Fahrzeugen und Einrichtungen Pflicht. Mindestens ein Meter Abstand zu anderen Personen ist erwünscht.

Vielerorts wird mittels kontaktloser Stirn-thermometer die Temperatur von Passanten gemessen.

Reisende müssen bei Ankunft auf Nosy Be einen Coronavirus-Schnelltest machen oder ein negatives Testergebnis mitbringen (maximal 48 h alt). Sie müssen außerdem ein gültiges Rückreise-Flugticket vorweisen. Die Insel Nosy Be darf von nicht-madagassischen Reisenden vorerst nicht verlassen werden, der Hafen der Insel ist geschlossen. Für Inlandsflüge müssen Einheimische derzeit ebenfalls einen negativen Coronatest, der maximal 48 h alt sein darf, vorweisen.

Aktuell steht keine Region Madagaskars mehr unter Lockdown. In den Regionen Analamanga (in der auch die Hauptstadt Antananarivo liegt), Diana, Sava und Boeny besteht eine Ausgangssperre von 23 Uhr abends bis 04 Uhr am Morgen.

Taxis dürfen fahren, die Beförderung von maximal drei Passagieren gleichzeitig ist erlaubt. Taxi Be dürfen innerhalb Antananarivos fahren, Taxibrousse dürfen ausschließlich die Strecke der RN2 zwischen Antananarivo und Toamasina (Tamatave), die RN7 in Richtung Toliara (Tuléar) und die RN4 in Richtung Mahajanga bedienen. Die RN6 in Richtung der Regionen Sava und Diana bleibt für Taxibrousse gesperrt. Passagiere müssen sich beim Zusteigen die Hände desinfizieren. Ein Zustieg ohne Mund-Nasen-Bedeckung ist nicht gestattet.

Versammlungen von mehr als 100 Personen sind landesweit verboten. Die gleiche Maximalzahl an Personen gilt für Restaurants, Museen, Kunstgalerien, Karaokebars, Bars und Kinos. Bars müssen um 22 Uhr schließen. Öffentliche Veranstaltungen (außer sportliche Wettkämpfe) sind erlaubt, solange der Mindestabstand von einem Meter zwischen allen Personen gewährleistet werden kann.

Madagaskar wird vom Robert-Koch-Institut (RKI) seit dem 15. Juni 2020 als Risikogebiet eingestuft. Es besteht daher aktuell noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Madagaskar.

Hinweis zu Covid Organics

Das auf Madagaskar viel angepriesene Getränk  von „Covid Organics“ ist nach aktueller Studienlage und Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht geeignet, eine Corona-Infektion zu verhindern oder den Verlauf einer Erkrankung mit Covid-19 abzumildern. Es basiert vor allem auf Einjährigem Beifuß (Artemisia annua), einer aus Eurasien stammenden und teils medizinisch wirksamen Pflanze. Die genaue Zusammensetzung des Getränks wurde jedoch bisher nicht veröffentlicht. Seit April 2020 wird das Getränk als angebliches Heilmittel auf Madagaskar breitflächig vermarktet und verkauft.

Bisheriger Verlauf der Pandemie in Madagaskar

Das Getränk von „Covid Organics“

Durch seine Isolation als Insel konnte Madagaskar verhältnismäßig lange seinen Status als Covid-19-freies Land aufrechterhalten. Mit der schnellen internationalen Ausbreitung des Virus wurde jedoch auch Madagaskar gezwungen, Maßnahmen zu treffen. Am 17. März 2020 wurde verfügt, dass alle Flughäfen des Landes ab dem 20. März für 30 Tage geschlossen würden.

Die ersten drei Infektionsfälle wurden prompt am 20. März 2020 in der Hauptstadt Antananarivo bestätigt. Die drei Betroffenen waren mit einem der letzten Flugzeuge ins Land gekommen, das Madagassen aus anderen Ländern nach Hause bringen sollte. Alle übrigen Passagiere des Fluges sowie aller Flüge, die bis zu 14 Tage zuvor stattgefunden hatten, wurden unter Quarantäne gesetzt. Rund 20 Personen konnten jedoch nicht mehr gefunden werden.

Über Antananarivo wurde ab dem 23. März 2020 ein Lockdown verhängt, der bis zum 06. September 2020 sieben Mal verlängert wurde. Eine landesweite Maskenpflicht wurde eingeführt. Niemand durfte mehr die Region verlassen, in der er sich befand. Nur noch lebenswichtige Geschäfte wie Supermärkte und Apotheken durften öffnen. Kirchen, Schulen, Nachtclubs, Bars, Museen und Restaurants wurden geschlossen. Taxibrousse und Taxi Be durften nicht mehr fahren. Nur eine Person pro Haushalt durfte sich einmal täglich außerhalb der Wohnung bewegen, ausschließlich zwischen 06 Uhr morgens und 12 Uhr mittags. Alle Schulen wurden geschlossen. Der Lockdown mit weiteren Restriktionen wurde später auf Tomasina (Tamatave) an der Ostküste und Fianarantsoa im südlichen Hochland ausgeweitet. Schlagzeilen machten Bestrafungen von Menschen, die ohne Maske außerhalb ihrer Wohnung erwischt wurden: Sie wurden zu Dutzenden zum Fegen von Straßen und Gehwegen verdonnert. Am 23. März 2020 wurde eine Kommandozentrale zur Krisenbewältigung im Ivato Mining Business Center eröffnet. In Toamasina und Fianarantsoa wurde nach einigen Wochen der Lockdown wieder aufgehoben. Am 26. August wurde die RN2 zwischen Antananarivo und Toamasina für Taxibrousse wieder geöffnet, außerdem durften Taxi Be wieder innerhalb Antananarivos fahren.

Am 01. September 2020 wurden Inlandsflüge unter Sicherheitsvorkehrungen wieder aufgenommen. Am 06. September 2020 wurde dann auch der Lockdown der Regionen Analamanga mit der Hauptstadt Antananarivo und Moramanga im östlichen Hochland aufgehoben. Die bis dahin gültige Ausgangssperre von 22 Uhr abends bis 04 Uhr morgens wurde durch eine auf die Regionen Analamanga, Sava, Diana und Boeny begrenzte Ausgangssperre von 23 Uhr bis 04 Uhr ersetzt. Das Versammlungsverbot wurde von 50 auf maximal 100 Personen angehoben. Museen, Kunstgalerien, Bars und Kinos, Kirchen und Schulen durften mit Einschränkungen wieder öffnen. Im Laufe des Septembers 2020 wurden die RN7, RN4 und RN6 wieder für Taxibrousse geöffnet. Bis zum 30. September durften internationale Flüge – ausgenommen Cargo- und Evakuierungsflüge – Madagaskar nicht anfliegen. Am 01. Oktober landete das erste Flugzeug aus internationalen Gefilden wieder auf der Insel. Es war das erste Mal seit sieben Monaten.

Inzwischen sind alle Regionen des Landes von der Pandemie betroffen. Madagaskar hat jedoch nur eine sehr geringe medizinische Versorgung. Krankenhäuser gibt es vor allem in großen Städten und nur wenige können mit internationalen Hygienestandards mithalten. Auf dem Land gibt es häufig nur die absolute Grundversorgung, wenn denn überhaupt. Auf eine hohe Zahl von Beatmungspatienten ist das Land in keinster Weise eingestellt. Entsprechend schnell waren zu Beginn der Pandemie die wenigen vorhandenen Krankenhäuser überlastet. Einige Krankenhäuser nahmen daraufhin nur noch Patienten mit schwersten Verläufen überhaupt auf. Es fehlte an Handschuhen, an Mund-Nasen-Bedeckungen, Gesichtsschilden und alltäglichem medizinischem Bedarf. Zusätzliche Schutzausrüstung für das Personal von Krankenhäusern wurde aus dem Ausland eingeflogen. Im August 2020 öffnete ein Behandlungszentrum im Football-Stadium von Mahamasina in Antananarivo. Fast zeitgleich trafen über 1000 Sauerstoffkonzentratoren für Krankenhäuser aus dem Ausland ein, weitere 2400 werden noch erwartet. Am 06. September 2020 verkündete der madagassische Präsident während einer Ansprache, das Land habe die Pandemie bereits überwunden. Drei Covid19-Behandlungszentren in Antananarivo wurden wieder geschlossen.

Recycelte Ölkanister ermöglichen regelmäßigeres Händewaschen in ländlichen Gegenden

Die Testkapazitäten auf Madagaskar sind sehr begrenzt. Aktuell können etwas mehr als 850 Tests pro Tag durchgeführt werden. Es ist nicht davon auszugehen, dass die offiziellen Infektions- sowie Todeszahlen auf Madagaskar die Realität wiederspiegeln. Gezählt werden aktuell nur Verstorbene, die bereits positiv getestet wurden und im Krankenhaus verstorben sind – was die absolute Minderheit der Infizierten sein dürfte. Obduktionen außerhalb von Krankenhäusern verstorbener Menschen finden nicht statt. Wer zu Hause stirbt und nicht getestet wurde, fällt sowieso in keine Statistik. Madagaskar hat jedoch auf Grund der generellen schlechten medizinischen Versorgung und hoher Armut eine sehr junge Bevölkerung. Über 60% der Madagassen sind unter 15 Jahre alt. Da Kinder von der Pandemie nur in geringeren Zahlen kritisch betroffen zu sein scheinen, geht man davon aus, dass das Land auch deshalb geringere Mortalitätsraten aufweist.

Durch ausbleibende Gelder aus dem Ausland sowie fehlenden Tourismus hat sich die Lage der Nationalparks und Schutzgebiete auf Madagaskar 2020 deutlich verschlechtert. In der Trockenzeit kam es zu mehr Brandrodungen und illegaler Abholzung als in den vorherigen Jahren. Menschen, die sonst vom Tourismus leben, müssen aktuell auf Landwirtschaft und Selbstversorgung ausweichen. Dadurch sind nicht nur Waldgebiete, sondern auch die darin lebenden seltenen Tiere massiv bedroht. Hotels sind aktuell geschlossen. Unklar ist, wie viele nach Wiederaufnahme internationaler Flüge wieder öffnen können.

Schutzmaßnahmen in Nationalparks und Schutzgebieten

Das SARS-Coronavirus-2 wurde ursprünglich wahrscheinlich von Fledermäusen auf Menschen übertragen. Lemuren sind dem Menschen genetisch deutlich ähnlicher und es ist bereits von etlichen Viren bekannt, dass sie vom Menschen auf Tiere überspringen können. Schon Ende der 1990er Jahre wurde in Afrika nachgewiesen, dass eine Schimpansen-Population durch Atemwegserkrankungen auslösende Viren dezimiert worden war. Diese Viren stammten von Menschen, die die Affen in der Wildnis im Rahmen diverser Ökotourismus-Angebote besucht hatten. Ähnliches könnte Madagaskars Lemuren passieren, wenn sie mit dem SARS-Coronavirus-2 in Kontakt kämen.

Mehr als 90% von Madagaskars 108 Lemuren-Arten sind bereits jetzt vom Aussterben bedroht. Eine Pandemie könnte ihre Populationen vollständig auslöschen. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature oder Weltnaturschutzunion) hat daher Restriktionen empfohlen, die in der Umgebung besonders bedrohter Affenarten umgesetzt werden sollten. Folgende Maßnahmen sollten von Einheimischen wie Reisenden bei jedem Besuch von Schutzgebieten, Reservaten und Nationalparks eingehalten werden:

Coquerel-Sifakas
Coquerel-Sifakas sind vom Aussterben bedroht
  • Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist Pflicht.
  • Direkter Kontakt mit Lemuren, zum Beispiel auf-die-Schulter-springen-lassen oder füttern, muss unbedingt vermieden werden.
  • Ein Mindestabstand von 10 Metern zu Lemuren ist bestenfalls einzuhalten, 7 Meter sollten auf keinen Fall unterschritten werden.
  • Wer krank ist oder auch nur leichte Erkältungssymptome zeigt, sollte auf den Besuch jeglicher Lemuren sowie deren unmittelbarer Umgebung verzichten.
  • Wer in den letzten zwei Wochen Kontakt zu an Covid-19 erkrankten Personen hatte, sollte ebenfalls auf jeglichen Besuch von Lemuren verzichten.

Madagascar National Parks (MNP) hat folgende Maßnahmen für alle Nationalparks der Insel verfügt:

  • Vor dem Betreten von Park Offices müssen Hände und Füße desinfiziert werden.
  • Eintrittsgebühren können ausschließlich über Mobile Money (mit madagassischen Mobiltelefonen) gezahlt werden.
  • Jeder Besucher wird im Park Office namentlich registriert.
  • Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im gesamten Parkgebiet ist Pflicht. Kinder unter 6 Jahre sind ausgenommen.
  • Risikopatienten ist der Besuch von Nationalpark verboten.
  • Essen ist im gesamten Gebiet des Nationalparks untersagt, ausgenommen auf ausgewiesenen Picknickplätzen.
  • Am Park-Eingang wird die Temperatur mittels kontaktlosem Stirnthermometer gemessen.
  • Alle von Reisenden mitgeführten Taschen und Gegenstände müssen vor Parkbesuch desinfiziert werden.
  • Pro local guide sind maximal vier Besucher erlaubt.
  • Ein Meter Abstand zwischen allen Personen muss stetig eingehalten werden.
  • Alle zwei Stunden finden „Sanitärkontrollen“ statt (es ist leider nicht ausgeführt worden, ob es sich dabei um simple Temperaturkontrollen oder anderes handelt).
  • Mindestens acht Meter Abstand zu jeglichen Tieren ist einzuhalten.
  • Das Berühren jeglicher Tiere und Pflanzen ist ausdrücklich verboten.

Titelfoto: © Achisatha, lizensiert bei AdobeStocks
Temperatur messen: © poco_bw, lizensiert bei AdobeStocks
Tippy taps: © ivanfolio, lizensiert bei AdobeStocks

 

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