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Die Straße der Unabhängigkeit

Mitten in der Hauptstadt Antananarivo gelegen, ist sie das Zentrum allen Geschehens: Die Straße der Unabhängigkeit, französisch Avenue de l’Indépendance. Sie liegt in der Unterstadt, im Stadtteil Analakely, und ist eine ehemalige Prachtstraße aus französischen Kolonialzeiten. Noch heute gilt sie als madagassische Flaniermeile. Restaurants, Cafés, Geschäfte und Bars reihen sich hier aneinander und sorgen für ein sehr buntes Tages- und Nachtleben. Alle größeren Firmen und Restaurantketten der Stadt haben entlang der Straße ihre Flagship-Stores. Dabei ist völlig egal, ob es sich um Banken, Fluggesellschaften, Pizzeria oder Lebensmittelgeschäft handelt. Wer etwas auf sich hält, verfügt über eine Räumlichkeit an der Straße der Unabhängigkeit in Antananarivo!

Der Bahnhof Soarano
CC BY-SA 2.0 Hery Zo Rakotondramanana

Erbaut wurde die rund einen Kilometer lange Straße der Unabhängigkeit unter General Gallieni noch vor dem zweiten Weltkrieg. Sie beginnt am Bahnhof Soarano, der zwischen 1908 und 1910 in monumentalem Stil erbaut wurde. Architekt des Bahnhofs war ein Franzose namens Fouchard. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich ein großer Brunnen neben dem Bahnhof, dem der Name soa rano, zu Deutsch „gutes Wasser“, noch immer zu verdanken ist. 2009 wurde der Bahnhof vollständig saniert. Aktuell beherbergt er neben dem Ticketverkauf für die vereinzelt fahrenden Züge einige Geschäfte und Andenkenläden. Vom Bahnhof aus verläuft die Straße der Unabhängigkeit nach Südosten, bis sie kurz vor dem berühmten Zoma-Markt in die Straße des 26. Juni 1960 übergeht. Das Datum markiert den Tag der Unabhängigkeit Madagaskars, die beiden Straßen sind also so etwas wie Namensvettern.

Auf halber Höhe zwischen Bahnhof Soarano und Marktplatz steht das Rathaus (französisch Hotel de ville) von Antananarivo. Es wurde ursprüngliche ebenfalls zu Kolonialzeiten 1936 erbaut, fiel jedoch während Unruhen 1972 einem Brand zum Opfer. Erst 2008 begannen neue Bauarbeiten, so dass das jetzige Rathaus – erbaut im alten Stil – 2011 eingeweiht werden konnte.

Die Straße der Unabhängigkeit verfügt über zwei breite Fahrstreifen, die in der Mitte durch eine Grünanlage getrennt werden. Zu Kolonialzeiten wurden hier Blumenbeete gepflegt. Heute wachsen hier Palmen in einer Art kleiner Parkanlage. Zu beiden Seiten wird die Straße der Unabhängigkeit von Häusern aus Kolonialzeiten gesäumt, deren Eingänge von 1937 errichteten, breiten Arkaden überdacht werden. Damit sorgen sie auch in der Regenzeit für trockene Füße beim Einkaufen. Zwischen Arkaden und Fahrstreifen hat sich über die Jahre eine Vielzahl an Straßengeschäften entwickelt. Aus parkenden Autos und Bussen heraus, aber auch einfach von Straßenverkäufern, die auf ihren Decken unter bunten Sonnenschirmen sitzen. Ein Auto, ein Föhn oder ein Smartphone reparieren? Hier findet man sicher den passenden Handwerker dazu. Lieber ein Portrait von sich malen lassen? Auch kein Problem. Dazu kommen Unmengen fliegender Händler, die von Sonnenbrillen über Geschirrhandtücher bis zu kleinen Snacks und frisch gepressten Obstsäften fast alles anbieten, was man sich vorstellen kann. Nicht zuletzt durch das oft dichte Gedränge ist die Straße der Unabhängigkeit in den letzten Jahren zunehmend wegen Taschendiebstählen berühmt-berüchtigt. Mit offen getragenem Schmuck oder Wertsachen sollte man hier nicht auftreten. Wer jedoch einfach gekleidet und ohne Smartphone herumläuft, kann hier getrost einmal flanieren. Dem madagassischen Leben der Hauptstadt ist man auf der Straße der Unabhängigkeit sicher näher als überall anders in Antananarivo.

Die Walmdächer des Zoma am Ende der Straße der Unabhängigkeit

Nahe des Übergangs in die Straße des 26. Juni 1960 befinden sich linker Hand eine Gruppe kleiner Häuschen mit spitzen Walmdächern aus rotem Ziegelstein. Es sind Originalbauten von 1925, die damals für den Wochenmarkt Zoma gebaut wurden. Der immer am Freitag (madagassisch zoma, daher der Name) stattfindende Markt dehnte sich in vergangenen Jahrzehnten über mehrere Straßen des Viertels aus. Zu seinen besten Zeiten war der Zoma der größte Freiluftmarkt Afrikas. Da das ausufernde Marktgeschehen jedoch zu immer mehr Verkehrsstörungen in Antananarivo führte, wurde der Zoma in den 1990er Jahren in seiner ursprünglichen Form abgeschafft. Übrig sind heute noch die Originalgebäude, in denen die kleinere, aber nicht minder bunte und laute Variante des Zoma noch immer stattfindet.

Schräg gegenüber des Zoma finden sich die Tausend Treppen von Tana. Auf Madagassisch heißt die Straße der Unabhängigkeit übrigens Araben’ny Fahaleovantena. Öffentlich wird der Name allerdings kaum gebraucht. Man nutzt mehrheitlich den französischen Begriff Avenue de l’Indépéndance.

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