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Die Franco-Hova-Kriege – der Beginn der Kolonialherrschaft

Im Dezember 1883 fiel Frankreich mit Armeen in Madagaskar ein. Als Grund für den Angriff des Landes wurde die Nichteinhaltung der Lambert-Charta, die Bitt-Briefe Radamas II. an Frankreich sowie die Rekonfiszierung des Besitzes französischer Staatsbürger genannt. In die dem Angriff vorausgehende Diskussion in Frankreich selbst war auch eingeflossen, dass die Franzosen 1810 erfolgreich Mauritius eingenommen hatten, sich im Norden Madagaskars seit Jahrzehnten gegen die Sakalava behaupten konnten, ein französischer Staatsbürger in Antananarivo getötet worden war und die französische Staatsflagge auf Madagaskar gegen die landeseigene ersetzt worden war. Tatsächlich dürften vor allem der Reichtum Madagaskars an Wald, Mineralen, anderen Naturalien und potenziellen Sklaven sowie die entscheidende Lage auf dem Seeweg nach Indien von ausschlaggebendem Interesse gewesen sein.

Ranavalona III.
Ranavalona III.

Königin Ranavalona III. schickte ihre Truppen gegen die französische Invasion ins Feld und wandte sich an das Deutsche Kaiserreich, mit dem im gleichen Jahr noch ein Freundschaftsvertrag geschlossen wurde. Zu Hilfe kam das Kaiserreich den Madagassen jedoch nicht – auf der Kongokonferenz in Berlin wurde Madagaskar den Franzosen als „Interessengebiet“ zugesprochen. Damit war eine deutsche Beteiligung an den Franco-Hova-Kriegen vom Tisch. Auch die Engländer, denen ein madagassischer Botschafter geschickt worden war, verweigerten in Folge dessen ihre Hilfe.

Langfristig konnten Königin Ranavalonas III. Streitmächte Frankreich im Osten Madagaskars nicht viel entgegensetzen. Schließlich wurde sie im Januar 1887 gezwungen, den Vertrag von Tamatave zu unterzeichnen, der den Franzosen Diego Suarez (Antsiranana) im Norden des Landes überließ. Madagaskar zahlte außerdem 560.000 Goldfranc an die Erben Lamberts als Entschädigung der nicht eingehaltenen Lambert-Charta. Passend dazu einigten sich die Kolonialmächte in Europa bei der Frage der Aufteilung Afrikas darauf, dass Großbritannien auf jegliche Ansprüche auf Madagaskar zugunsten Frankreichs verzichtete. Damit endete der erste der beiden Franco-Hova-Kriege. Der Vertrag von Tamatave sicherte Frankreich zu, dass es Madagaskar in allen außenpolitischen Fragen vertreten konnte.

Im September 1890 erkannte Großbritannien Madagaskar als französisches Protektorat an, im Gegenzug sollte Frankreich Sansibar den Briten überlassen. Frankreich selbst hatte nie ein offizielles Protektorat in Madagaskar ausgerufen, und auch der Vertrag von Tamatave sprach nicht von einem solchen.

Kongokonferenz 1885 - Europa entscheidet über andere Länder
Kongokonferenz 1885 – Europa entscheidet über andere Länder, darunter auch Madagaskar

Der Premierminister und Gatte der Königin, Rainilaiarivony, plante währenddessen einen Befreiungsschlag der madagassischen Truppen gegen ihre Besetzer. Dazu sandte er seinen militärischen Berater, Colonel Shervinton, zurück in die Heimat nach Großbritannien, um Verbündete zu suchen. Frankreich seinerseits wollte jedoch ganz Madagaskar unter seine Gewalt bringen, und brachte in Voraussicht weiterer Kriege die eigenen Bürger außer Landes.

1893 erklärte Frankreich Madagaskar erneut den Krieg.

Im Dezember 1894 besetzte die französische Marine unter Einsatz von Artillerie Toamasina (Tamatave) an der Ostküste und damit den größten Hafen Madagaskars. Im September 1895 landete eine französische Flotte unter Admiral Pierre in Mahajanga (Majunga) an der Westküste Madagaskars. Abgesandte wurden zur Hauptstadt geschickt, um dort die Anerkennung eines französischen Protektorats im Norden der Insel sowie Entschädigungszahlung von 1,5 Mio Francs zu fordern. Die Königin der Merina lehnte alle Forderungen ab. Admiral Pierre wurde durch Galiber ersetzt, der dann wiederum von Admiral Miot abgelöst wurde.

Über den Betsiboka marschierten die französischen Truppen schließlich auf Antananarivo zu. Nach einem Scheinangriff aus dem Norden der Stadt griffen General Duchesnes Truppen vom Osten her an, was die Merina überrumpelte – sie hatten mit Angriffen vor allem aus dem Westen gerechnet. Am 01. Oktober 1895 marschierten die Franzosen in Antananarivo ein. Königin Ranavalona III. wurde im Dezember gezwungen, einen neuerlichen Vertrag zu unterzeichnen, der diesmal ganz Madagaskar zum offiziellen französischen Protektorat machte. Zunächst sollte die madagassische Regierung inklusive der Köngin jedoch repräsentativ im Amt bleiben, als Zivilgouverneur wurde Hippolyte Laroche eingesetzt. Faktisch hatte damit Frankreich die Gewalt über alle Regierungsgeschäfte Madagaskars.

Joseph Gallieni
Der französische General Gallieni

Mit der Besetzung des Rova von Antananarivo bildete sich im Dezember 1895 die sogenannte Menalamba-Bewegung (mena = rot, lamba = traditionelles Kleidungsstück), geleitet von freien Bürgern der Merina. Sie erkannten die Übermacht Frankreichs nicht an und lehnten das damit einhergehende Christentum sowie eigentlich jeglichen Einfluss von außen auf ihr eigenes Land ab.

Am 01. Januar 1896 beschloss das französische Parlament in Paris die Annexion Madagaskars. Mit der militärischen Vormacht Frankreichs in Antananarivo endete das Königreich der Merina, und die französische Kolonialherrschaft begann unter General Galleni, der im September 1896 in Antananarivo eintraf. General Gallieni schlug die Rebellion der Menalamba erst nach rund einem Jahr militärisch nieder. Etliche entscheidende Persönlichkeiten Madagaskars wurden geköpft, darunter Angehörige von Ranavalona III. sowie General Rainandriamampahandry, der die madagassische Armee geführt hatte. Eine von Ranavalonas III. Tanten wurde jedoch ins Exil geschickt, weil man sich scheute, eine Frau ebenfalls zu exekutieren. In Folge der andauernden Probleme innerhalb der Hauptstadt Madagaskars beschloss Frankreich, auch die Regierungsgeschäfte des besetzten Landes endgültig zu übernehmen.

Ranavalona III. im Exil
Ranavalona III. im Exil

Am 06. August 1896 erklärte Frankreich Madagaskar zu seiner Kolonie.

Königin Ranavalona III. musste am 28.02.1897 ihren eigenen Abtritt unterzeichnen, und wurde dann nach La Réunion ins Exil geschickt. Premierminister Rainilaiarivony wurde seiner Gattin, der ehemaligen Königin, ins Exil nachgeschickt. Er starb bereits im darauffolgenden Jahr. Ranavalona III. starb 1917 in Algerien, ohne je ihr Heimatland wiedergesehen zu haben. Während der Kriege starben nur 20 französische Soldaten bei Kampfeshandlungen, während rund 6000 an Tropenkrankheiten wie Malaria erkrankten und starben. Wieviele Menschen auf madagassischer Seite fielen, ist bis heute unbekannt. Es dürften deutlich mehr als gefallene Franzosen sein.

Fotos im Slider:
– Ein Dorf der Merina 1908
– Französische Propaganda zur Kolonialisierung
– Französische Truppen landen in Madagaskar

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