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Die letzten Könige der Merina

Im August 1861 starb Ranavalona I., und ihr zu dieser Zeit 32jähriger Sohn wurde letztendlich doch König der Merina. Unter Ranavalona I. hatte sich das madagassische Volk bis dahin von etwa fünf Millionen Menschen auf weniger als die Hälfte reduziert. Lambert kehrte erneut nach Madagaskar zurück, um die durch die Lambert-Charta gewonnenen Rechte einzufordern. Der König gewährte ihm diese wie versprochen, was zu großem Unmut am Hofe gegenüber Radama II. führte. Viele Merina wollten madagassisches Land keinem Fremden überlassen, erst recht nicht ohne zeitliche Begrenzung. Lambert jedoch gründete unbehelligt die Compagnie de Madagascar financière, industrielle et commerciale und erhielt den Titel „Herzog der Merina“.

Rasoaherina
Rasoaherina, Radamas II. Witwe

König Radama II. baute den Handel mit Mauritius und Réunion wieder auf und erneuerte die bereits unter Andrianampoinimerina begonnenen Reformen. Er richtete eine Regierung nach britischem Vorbild ein und verbot drakonische Strafen wie das Gottesurteil. Etliche Missionare, allen voran die London Missionary Society, strömten zurück ins Land. Auf dem königlichen Hügel durften wieder Schweine gehalten werden, und die für die Verbannung der unreinen Tiere verantwortlichen Sampy wurden auf den zwölf heiligen Hügeln der Imerina verteilt. Politische Gefangene wurden freigelassen. Schließlich wollte König Radama II. das Duell zur Klärung von Streitigkeiten legalisieren, wie es in Europa zu dieser Zeit Brauch war.

Dem unter seiner Mutter geradezu verwöhntem Adel passte das kompromisslose Handeln Radamas jedoch gar nicht, und so kam es zum Staatsstreich unter Führung des Premierministers Rainivoninahitriniony. König Radama II. und die meisten seiner Gefolgsleute wurden dabei im Mai 1863 ermordet, nach gerade einmal zwei Jahren als König.

Radamas II. Witwe Rasoaherina, die bis dahin Rabodo hieß, gleichzeitig seine Cousine war und deren Erziehung maßgeblich von der London Missionary Society beeinflusst worden war, musste daraufhin den bisherigen Premierminister heiraten. Bedingung seitens der Minister für ihre weitere Regentschaft war, dass jegliche Geschäfte des Königreichs zukünftig in Abstimmung mit der Klasse der Hova (freien Bürger), allen voran mit dem Premierminister, geführt wurden. Der Öffentlichkeit wurde bekannt gegeben, König Radama II. habe Selbstmord begangen. Es gibt Gerüchte, dass Radama bei seiner Erdrosselung unter einem Tuch im Mai zuvor nicht den Tod gefunden hätte und stattdessen bis ins hohe Alter am See Kinkony im Nordwesten des Landes gelebt haben soll, diese sind aber unbewiesen. Dem Volk wurde verboten, den Tod König Radamas II. zu betrauern.

Rainilaiarivony
Rainilaiarivony

Am 30.06.1865 schlossen Briten und Königin Rasoaherina den Vertrag von Antananarivo, einen Friedens- und Handelsvertrag. Mit diesem Vertrag wurde die Sklaverei auf Madagaskar endgültig abgeschafft. Weitere Verträge mit den USA zwei Jahre später folgten, madagassische Botschafter wurden nach London und Paris geschickt. Die Lambert-Charta wurde für ungültig erklärt, was zu erheblichen Streitigkeiten zwischen der Compagnie de Madagascar (und damit Frankreich) und den Merina führte.

Rainivoninahitriniony, der am Mord König Radamas II. maßgeblich beteiligt gewesen war, verfiel dem Alkohol und wurde immer wieder gewalttätig. Nachdem er die Königin mehrfach mit Messern bedroht hatte, entließ sie ihn als Premierminister, und er wurde ins Reich der Betsileo verbannt. Als politische Folge heiratete Königin Rasoaherina seinen Bruder Rainilaiarivony, der prompt ebenfalls Premierminister wurde.

1868 kam es zu einem Putschversuch auf dem Rova, angeführt vom eigentlich verbannten ehemaligen Premierminister Rainivoninahitriniony. Er hatte geplant, an seines Bruders statt sein altes Amt wieder einzunehmen und dazu Prinz Rasata auf den Thron zu befördern. Einige Wachen des Rova konnten jedoch fliehen und alarmierten Rainilaiarivony, der bei der schwer an Dysenterie erkrankten Königin in Ambohimanga weilte. Auf Befehl Rainilaiarivonys wurde der Putsch niedergeschlagen, und Königin Rasoaherina wurde zu einem Triumphzug durch Antananarivo getragen. Während einer Kabary forderte sie die Bevölkerung auf, weitere Verräter auszuliefern. Königin Rasoaherina starb am 01.04.1868, vier Tage nach ihrer letzten öffentlichen Ansprache. Ihre Cousine Ramako, die auf Rasoaherinas Wunsch deren Kinder annahm, nannte sich fortan Ranavalona II. und wurde neue Königin der Merina. Sie war bereits eine der Ehefrauen König Radamas II. gewesen, und auch sie heiratete Premierminister Rainilaiarivony.

Ranavalona II.
Ranavalona II.

1869 wurde Königin Ranavalona II. anglikanisch getauft. Sie war wie ihre Vorgängerin von Missionaren der London Missionary Society erzogen und geprägt worden, was sich in einer großen Nähe zu Großbritannien zeigte. Die von Ranavalona I. zusammengeführten und später wieder auf den heiligen Hügeln der Merina verteilten Sampy wurden öffentlich verbrannt, und der Anglikanismus offiziell als Staatsreligion eingeführt. Schulen unter Leitung von Missionaren wurden erbaut, um dem madagassischen Volk – oder zumindest den höher gestellten Bürgern – Bildung zuteil werden zu lassen. Durch Ranavalonas II. Zuneigung zu den Briten begannen nach und nach die Kontakte mit Frankreich zu schwelen.

Am 13.06.1883 starb Ranavalona II., während des Beginns der Franco-Hova-Kriege um Madagaskar. Am 22.11.1883 wurde Ranavalona III. zur Königin der Merina gekrönt – und auch sie war Gattin des immernoch thronenden Rainilaiarivony.

Fotos im Slider:
– Begräbnis von Rasoaherina
– Rainilarivony sitzend, gegenüber von Soldaten

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