Brandneues

Warum die Wurzeln der Baobabs gen Himmel ragen

Eine madagassische Legende erzählt, dass es früher einmal Zeiten gab, als die Bäume noch wandern konnten. Zu dieser Zeit gab es auch einen großen See, dessen Wasser so klar und ruhig war, dass er wie ein Spiegel da lag.

Immer, wenn sie an dem See vorbeikamen, hielten die Baobabs an. Sie wurden traurig, wenn sie ihr eigenes Äußeres sich im Wasser spiegeln sahen. Die anderen Bäume waren schlank und trugen glatte Rinde, sie waren reich an Blättern und Blüten. Die Baobabs jedoch waren runzlig und bauchig und gar nicht ansehnlich. Traurig und wütend beschwerten sie sich bei ihrem Schöpfer Zanahary, weshalb nur sie ein so hässliches Äußeres bekommen hatten. Doch Zanahary fand die Baobabs gut so, wie sie waren. Er sagte: „Seht, jede meiner Schöpfungen ist einzigartig. Die Vielfalt macht euch aus. Und ihr seid nicht die schönsten, aber die größten unter allen Bäumen!“ Da waren die Baobabs zufrieden, zumindest dieses Merkmal zu besitzen. Und so wuchsen sie noch weiter. Vögel nisteten gerne in den Ästen, Lemuren rasteten gerne im Schatten der dicken Stämme.

Doch je größer sie wurden, desto mehr sahen die Baobabs auf die vielen kleinen Büsche, Bäumchen und Tiere herab. Mit der Zeit bildeten die großen Baobabs sich ein, sie seien etwas Besseres. Sie bewunderten ihre Größe im Wasser des Sees und machten sich lustig über die anderen Geschöpfe Gottes. Zanahary sah dies und gab den Baobabs den Rat, sich weniger auf sich selbst einzubilden. Doch die großen Bäume ignorierten seinen Ratschlag.

Da wurde Zanahary wütend. In seiner Wut packte er jeden einzelnen Baobab, riss ihn aus der Erde und steckte ihn kopfüber wieder hinein. Die Baobabs konnten nun sich selbst nicht mehr im Wasser sehen. Auf jemanden herabschauen konnten sie auch nicht mehr, denn sie steckten ja tief in der Erde. Deshalb wurden sie im Geiste klein und bescheiden, wie sie es heute noch sind. Sie nehmen den Platz, den sie bekommen können, und bleiben ihm über Hunderte von Jahren treu. Und beschwert hat sich seitdem auch kein Baobab der Welt mehr. Doch ihr einzigartiges Aussehen „mit den Wurzeln in der Luft“, das ist geblieben.

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