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Der gespenstische Blattschwanz-Gecko

Ein kleiner, aber sehr hübscher Gecko lebt gut getarnt in den Regenwäldern des zentralen Ostens und Südostens im Hochland Madagaskar: Der Gespenster-Blattschwanzgecko (Uroplatus phantasticus). Seinen Namen erhielt der kleine Kerl schon 1888 vom Biologen George Boulenger. Der Belgier beschrieb die Art zum ersten Mal und wählte den Namen wegen des bizarren Äußeren des Geckos. Der Gespenster-Blattschwanzgecko kommt weltweit nur auf Madagaskar vor, ist also auf der Insel endemisch. Der Schwanz dieser Art ist, wie bei den Blattschwanzgeckos bereits namensgebend, blattförmig und häufig mit kleinen Ausschnitten versehen, die die Optik eines toten Blatts nachahmen. Die Körperfarbe ist extrem variabel und kann erstaunliche Musterungen mit teils leuchtend orangefarbenem Bauch und verschiedenen Marmorierungen auf dem Rücken hervorbringen. Über jedem Auge trägt der Gespenster-Blattschwanzgecko einen kleinen, auffälligen Fortsatz, der wie viele andere Körperanhängsel dazu beiträgt, die Körperkontur gegenüber dem Untergrund aufzulösen.

Uroplatus
Jungtier auf einem Daumen

Das Verbreitungsgebieten der Art reicht von Ankeniheny-Zahamena im Osten der Insel bis ins Andringitra-Gebirge im Süden, Ivohibe ist einer der südlichsten Fundorte. In den Nationalparks Ranomafana und Andasibe-Mantadia kann man den Gecko besonders im Frühjahr recht gut finden. Ein gutes Auge oder einen findigen Guide braucht es jedoch schon, denn der Gespenster-Blattschwanzgecko tarnt sich tagsüber regungslos zwischen toten Blättern im Geäst. Er ist dann mit seinen gerade mal 9 cm Gesamtlänge dicht in ein Blatt geschmiegt so gut wie unsichtbar. Erst in der Nacht wird der gespenstische kleine Gecko aktiv – dann jagt er geschickt nach Nachtfaltern, Grillen und anderen Insekten, meist nicht viel höher als zwei, drei Meter über dem Boden.

Selbst Beutegreifer finden ihn nicht so einfach, und wenn, baut sich der kleine Gecko bedrohlich auf und reißt sein rosa leuchtendes Maul weit auf. Wird er trotzdem angegriffen, kann er seinen Schwanz abwerfen und davon laufen, während der abgeworfene Schwanz abenteuerlich zappelt und den Angreifer ablenkt. Das Körperteil wächst innerhalb einiger Wochen vollständig nach und bildet ein sogenanntes Regenerat, das vom ursprünglichen Schwanz leicht durch seine etwas abweichende Farbe zu unterscheiden ist. Neben dieser Eigenart ist der Gespenster-Blattschwanzgecko auch mit anderen, faszinierenden Eigenheiten ausgestattet: Seine Füße sind, wie bei allen Geckos, mit winzigen Lamellen ausgestattet. Damit ist es ihm möglich, sich mittels Adhäsion so fest an Untergründe zu haften, dass er sogar kopfüber an einer glatten Wand entlang laufen könnte. Die großen Augen haben zwar Augenlider, doch sind diese nicht beweglich. Da das Auge folglich nicht mittels Blinzeln befeuchtet werden kann, nutzt der Gespenster-Blattschwanzgecko seine lange Zunge, um damit über das Auge zu fahren.

Uroplatus phantasticus
Uroplatus phantasticus in Ranomafana

Nach einer erfolgreichen Paarung legen die Weibchen des Gespenster-Blattschwanzgeckos zu Beginn der Regensaison je zwei kleine, runde, weiße Eier, die einfach im Laub am Boden versteckt werden. Im Schnitt legen die Weibchen rund sechs Gelege im Jahr. Nach zwei- bis dreieinhalb Monaten schlüpfen winzige Gecko-Kinder, die nun einen reich gedeckten Insektentisch finden. Sie sind exakte Ebenbilder ihrer Eltern, nur wesentlich kleiner: Maximal 3 cm inklusive Schwanz misst ein Gespenster-Blattschwanzgecko beim Schlupf. Von Anfang an sind sie auf sich allein gestellt und können im nassen Regenwald jagen wie die Großen.

Auf der roten Liste der IUCN ist der Gespenster-Blattschwanzgecko als „least concern“, also nicht gefährdet, eingestuft. Allerdings mangelt es eigentlich an Daten für eine sinnvolle Einstufung, denn aktuelle Populationsschätzungen der Art gibt es nicht. Der Lebensraum des Gespenster-Blattschwanzgeckos ist wie soviele Habitate auf Madagaskar von Brandrodung und Abholzung massiv bedroht. Dazu kommt, dass diese Art mit degradierter Vegetation nur schlecht zurechtkommt und auf dichte Primärregenwälder angewiesen ist. Was einmal zerstört ist, kann der Gespenster-Blattschwanzgecko nicht mehr besiedeln. 2007 überlegten die beiden deutschen Biologen Glaw und Vences, ob es sich auf Grund der Größenunterschiede zwischen einigen Populationen (die Tiere aus Fierenana sind deutlich größer) beim Gespenster-Blattschwanzgecko nicht nur um eine, sondern möglicherweise um mehrere Arten handelt. Geklärt ist diese Frage bis heute nicht. Es bleibt also noch einiges zu forschen bei diesen spannenden Tieren.

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