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Warum der größte Lemur der Welt Babakoto heißt

Vor langer Zeit packte ein Bezanozano-Mann („der, der in den Osten reist“) in einem kleinen Dorf in Madagaskar einen Korb. Er bat seinen kleinen Sohn Koto, mit ihm mitzukommen und zusammen wanderten sie tief in den Urwald, um Bienenhonig zu finden. Nach einigen Stunden fanden sie ein Bienennest an einem hohen Rosenholz-Baum. Der Vater kletterte auf den Baum. Als er oben war, half er seinem Sohn Koto, ebenfalls hinaufzuklettern. Glücklich erreichten sie gemeinsam das Nest und ernteten den leckeren Honig.

Plötzlich begann es zu regnen. „Lass uns schnell wieder vom Baum herunter, und sei vorsichtig!“, rief der Vater noch, bevor er selbst ausrutschte und in die Tiefe stürzte. Der Vater konnte den Sturz nicht überleben. Wer sollte dem jungen Koto jetzt helfen, den Baum hinabzusteigen? Als wäre seine Lage nicht schon tragisch genug gewesen, fing es immer stärker an zu regnen. Ein Sturm zog auf und Gewitter kündigte sich an. Der arme Koto saß immernoch auf seinem Baum und versuchte, Schutz unter den Blättern zu finden. Das dunkle Unwetter ging langsam in die finstere Nacht über, und Koto schlief müde und erschöpft ein.

Babakoto, der sanfte Geist des Waldes

Früh am Morgen wurde Koto von einem lauten Geräusch geweckt – es klang, als würde jemand irgendwo sehr laut weinen. Er bekam Angst und begann ebenfalls zu weinen. Ängstlich schaute Koto sich um, ob irgendetwas um ihn herum zu erkennen sein könnte. Da sah er einen Schatten im Dickicht von Baum zu Baum springen. Und der Schatten kam in seine Richtung… Koto versuchte verzweifelt, vom Baum herunterzukommen, doch er hatte keine Chance. Seinen ganzen Mut zusammennehmend rief er laut „Verschwinde, böser Geist! Verschwinde, böser Geist!“ – aber der Schatten reagierte nicht und kam immer näher. Koto fügte sich in ein Schicksal und wartete – die Augen fest geschlossen – darauf, dass der böse Geist ihn holen würde.

Als einige Zeit nichts passierte, fasste Koto sich ein Herz und öffnete wieder die Augen. Vor ihm saß ein Tier mit schwarz-weißem, dichten Fell. Es war so groß wie ein fünfjähriges Kind, mit einem Gesicht wie dem eines Hundes. Koto rieb sich verwirrt die Augen und schaute genauer hin. Das Tier hatte fünf Finger an jeder Hand, genau wie ein Mensch! Vorsichtig nahm das Wesen Koto auf seinen Rücken und sprang mit ihm von Ast zu Ast und von Baum zu Baum, immer tiefer, bis beide sicher fast bis zum Boden gelangt waren.

Währenddessen hatten einige Männer aus dem Dorf begonnen, nach dem vermissten Vater und seinem Sohn zu suchen. Einer der Männer entdeckte Koto zwischen den Bäumen und rief: „Schaut! Da ist Koto, auf dem Rücken eines seltsamen Tieres!“ Die Dorfbewohner rannten zu dem Baum, auf dem das Tier mit Koto auf dem Rücken saß. Überrascht entdeckten sie, dass Kotos toter Vater unter dem gleichen Baum lag. Das seltsame Tier über ihnen hatte Koto adoptiert und sich wie ein Vater für ihn verhalten. Seitdem nennen die Madagassen das hilfreiche Wesen – es war ein Indri – „Babakoto“, was soviel bedeutet wie „Kotos Vater“.

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