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Marojejy Nationalpark

Marojejy:
Der Marojejy-Nationalpark ist einer der artenreichsten und schönsten Madagaskars, aber auch einer der am schwersten zu bereisenden. Ein „Paradies für Fortgeschrittene“! Die madagassischen Worte maro und jejy haben verschiedene Bedeutungen, darunter „viele Steine“ und „viel Regen“, aber auch „viele Tiere“ und „viele Geister der Ahnen“.

Camp Marojejya
Camp Marojejya

Lage:
Der Marojejy Nationalpark liegt im Nordosten Madagaskars an den Hängen des gleichnamigen heiligen Gebirges in der Provinz Sava. Etwa 60 km östlich liegt die „Vanille-Hauptstadt“ Sambava, die am Park vorbeiführende Straße reicht von dort nach Andapa im Westen. Der Marojejy Nationalpark ist durch seine Lage und die fehlende Infrastruktur nur schwer zu erreichen. Der einzige sichere Weg sind Flüge von Maroansetra oder der Hauptstadt, Antananarivo, nach Sambava und die weitere Anreise von dort mit dem Auto oder Bus auf der Straße vom Flughafen bis zum Park Office (relativ guter Zustand). Der Landweg von Ambilobe nach Osten über Vohémar an der Nordostküste und dann nach Süden in Richtung Sambava besteht zum größten Teil aus unbefestigten, nur schwer befahrbaren Pisten. Zeitweise ist die Strecke überhaupt nicht passierbar und viele unvorhergesehene Ereignisse wie zerstörte Brücken, Schlammlöcher und nach Regen anschwellende Flüsse lassen vom Versuch, diesen Weg zu nehmen, eher abraten.

Infos zum Nationalpark:
1948 besuchte Prof. Henri Humbert vom Naturhistorischen Museum Paris, Begründer des Nationalparks, dieses Fleckchen Erde und war von der Flora und Fauna so überwältigt, dass er Marojejy sein Buch „Wunder der Natur“ widmete. Knapp vier Jahre später wurde das Gebiet auf sein Drängen hin unter Schutz gestellt. Der Besuch war nur noch Wissenschaftlichern möglich. Seit 1998 gilt Marojejy offiziell als Nationalpark und ist damit wieder für jeden Reisenden geöffnet. 2007 wurde er zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt.

Uroplatus lineatus
Uroplatus lineatus

Der Nationalpark ist etwa 600 km² groß. Sein höchster Punkt liegt auf über 2100 m, womit  er einer der am höchsten gelegenen Parks Madagaskars ist. Vom tiefsten Regenwald bis zum hohen Bergwald gibt es hier alles, was das Land an Klimazonen zu bieten hat. Verschiedene Wanderrouten gehen direkt vom Campground ab, die längsten Exkursionen können dabei mehrere Tage in Anspruch nehmen.  Viele Flüsse und Bäche, Wasserfälle sowie starke Höhenunterschiede machen die Touren durch den Park zu einem fantastischem Erlebnis, fordern dem Naturfreund jedoch auch einiges ab. Leicht zu begehen ist Marojejy sicherlich nicht!

Die um den Park lebenden Tsimihety und einige mafiöse Strukturen stellen inzwischen eine massive Bedrohung für den gesamten Nationalpark dar. Ähnlich wie in Masoala wird Brandrodung und vor allem illegaler Holzschlag (Rosenholz, Palisander) betrieben, der seit einigen Jahren immer weitere Kreise zieht und nur schwer eingedämmt werden kann.

Klima:

Wie in den meisten Gegenden des nordöstlichen Madagaskars wird das Wetter von Marojejy von tropisch feuchtwarmen Klima beherrscht. im Sommer reichen die Temperaturen fast täglich bis über 30°C, im Winter kann es in den Wipfeln des Nationalparks sogar Frost geben. Im Wald selbst ist es geringfügig kühler, es regnet fast täglich. Das feuchte, heiße Klima lässt Parkbesucher schnell ermüden und jede Wanderung zur Herausforderung werden. Eine gute körperliche Kondition ist Voraussetzung für einen Besuch des Marojejy Nationalparks.

Stenophis spp.
Parastenophis betsileanus

Infrastruktur:
In der Umgebung des Nationalparks gibt es lediglich zwei kleine Hüttendörfer, die keine Unterkünfte anbieten. Das Park Office liegt direkt an der Straße auf dem Weg, hier zahlt man Eintrittsgelder und organisiert Köche und Guides. Von hier aus geht es knapp  6 km zu Fuß zum Parkeingang. Der Weg ist zwar nicht schwierig, führt jedoch durch eine Art Savanne zwischen Reisfeldern, in der es extrem heiß und das Laufen daher sehr, sehr anstrengend wird. Hat man schließlich den Parkeingang und damit den schattigen Wald erreicht, sind es noch gute 4 km bis zu Camp Mantella (Camp 1) und noch mehrere Stunden extrem anstrengenden Fußmarsch danach bis zum weitaus höher gelegenen Camp 2 (Camp Marojejya).  Allein der letzte Kilometer des Aufstiegs hierhin überwindet 450 Höhenmeter. Das am höchsten gelegene Camp 3 (Camp Simpona) ist von den meisten Reisenden nicht in einem Tag zu erreichen, obwohl es „nur“ wenige Kilometer zum darunter liegenden Camp sind.  Die Wege sind jedoch schmal, steil und unwegsam, bei Regen sehr rutschig und etliche Bäche müssen überwunden werden.  Teils überquert man sogar mit Seilen abgesicherte, steile Felsplatten. In Kombination mit dem für Europäer extremen Klima wird dadurch jeder Kilometer zur sportlichen Höchstleistung und nur mit zähem Willen schafft man den Weg ganz nach oben.  Die atemberaubende Aussicht und der Campground mitten im Regenwald entschädigen jedoch für jede Anstrengung,  blaue Flecke, Blutegel und unzählige Moskitostiche.

Die drei Camps sind jeweils ausgestattet mit Kochstelle, fließend Wasser und rudimentären Sanitäranlagen. Zum Übernachten sind zwar Hütten aus Holzgestellen und Planen vorhanden, auf Grund der dauerhaft hohen Feuchtigkeit ist es aber deutlich komfortabler, das eigene Zelt mitzubringen. Am Park Office können aus den Dörfern Träger organisiert werden, die für einen kleinen Obolus jegliches Gepäck in atemberaubendem Tempo in das gewünschte Camp hinauf- und auch wieder heruntertransportieren.

Flora und Fauna:
Die Flora Marojejys bietet vom über 50 m hohen Urwaldriesen bis zur zarten Orchideen für jeden Geschmack das Richtige: Allein 275 verschiedene Farne, um die 300 Epiphyten und 50 Palmenspezies machen den Wald zu einem unvergesslichen, zauberhaften Ort. Die Liste an nur hier vorkommenden Lebensformen ist extrem lang, und es sind noch bei Weitem nicht alle Pflanzen und Tiere überhaupt beschrieben.

Seidensifaka
Seidensifaka

Marojejy ist der verbliebene Lebensraum der extrem seltenen und vom Aussterben bedrohten Seidensifakas (Propithecus candidus), die wegen ihres weißen, langen Fells die „Engel des Waldes“ genannt werden – und weiteren zehn Lemurenspezies. Die Seidensifakas gehören zu den 25 am meisten bedrohten Tierarten weltweit. Um sie zu finden, ist ein ganzer Tag abenteuerliches Klettern quer durch den Wald  nötig, doch eine Begegnung mit diesen letzten Kreaturen ihrer Art ist unvergesslich.  Das etwas weniger seltene Fingertier (Aye-Aye) kann man ab und zu nachts zwischen dichtem Grün erspähen. Wer diesem raren, absurd anmutenden Waldtroll einmal direkt gegenüber steht, kann sich wirklich glücklich schätzen. Die Bambuslemuren (Hapalemur occidentalis) und  anderen Bewohner des Waldes sind deutlich einfacher zu sehen und kommen oft direkt bis an die Camps heran. Auch andere Lemuren kann man während der Wanderungen recht nahe beobachten.

Marojejy Weg 2
Weg zu Camp Marojejya

Mitten im Regenwald Marojejys lebt zudem der Helmvanga (Euryceros prevostii), der eine Herausforderung für jeden Vogelfotografen sein dürfte. Er ist gleichzeitig Symbol und Maskottchen des Nationalparks.  Wer lange und auf einem bestimmten, sehr kleinen Gebiet das Laub auf dem Boden durchsucht, wird vielleicht sogar das  bisher nur sehr selten fotografierte, bunte und mit vielen Hautfortsätzen besetzte Brookesia vadoni zu Gesicht bekommen – eine echte Rarität.  Froschfreunde können sich über unzählige, bunte Mantella– und andere Froscharten freuen, die nachts überall lautstark quaken und selbst tagsüber sehr leicht zu finden sind. Der größte Blattschwanzgecko, Uroplatus giganteus, hat hier ebenfalls sein Zuhause, direkt neben dem unglaublich getarnten Uroplatus lineatus.

Insgesamt gut 120 Vogelspezies und rund 150 Amphibien– und Reptilienarten bevölkern Marojejy und bilden eine einmalige, wunderschöne Kulisse für Exkursionen. Ein einzigartiges Paradies, das vielleicht nicht mehr viele Jahrzehnte bestehen wird.

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