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Lokobe Nationalpark

Lokobe:
Dieser Nationalpark ist nach seiner höchsten Erhebung benannt, dem Lokobe mit 450 m über Meeresniveau. Der Name bedeutet soviel wie „viele Farben“.

Lage:
Der Nationalpark befindet sich auf der Insel Nosy Be an der Nordwestküste Madagaskars, und gehört zur Region Diana. Um dorthin zu gelangen, kann man zum einen mit dem Geländewagen von Antananarivo bis Ankify fahren (rund 900 km Strecke mit mehreren Tagen Fahrtzeit). In Ankify gibt es Fähren nach Nosy Be. Wesentlich einfacher ist es, direkt von der Hauptstadt Tana nach Nosy Be zu fliegen. Zum Flughafen Fascene verkehren fast täglich Flüge, einige sogar von internationalen Flughäfen in Italien (Mailand, Rom), Frankreich (Paris) und La Réunion (St. Denis). Der Nationalpark Lokobe liegt im Südosten der Insel, rund 7 km von der Hauptstadt Nosy Bes, Andoany (französisch Hellville) entfernt. Mit dem Pousse-Pousse, Tuk-Tuk oder Taxi gelangt man in etwa 20 Minuten Fahrtzeit zum Park. 

Lokobe Wege
Auf dem Weg zum Aussichtspunkt

Informationen zum Nationalpark:
Die Insel Nosy Be ist vulkanischen Ursprungs, auch wenn die alten Vulkane schon seit Jahrhunderten nicht mehr aktiv sind. Heute befinden sich in den Kratern kleine und größere Seen. Der Nationalpark Lokobe nimmt nur 7,4 km² der 325 km² großen Insel ein. Dazu kommt ein mariner Schutzraum von 1,22 km². Die geringe Größe des Parks lässt sich durch den touristischen Ausbau der Insel vor einigen Jahrzehnten erklären. Bis heute fiel immer mehr Wald Brandrodungen, neuen Gebäuden und Plantagen zum Opfer. Immerhin begann der Schutz des verbliebenen Regenwaldes schon 1923, sonst stünde heute wohl gar kein Baum mehr in Lokobe. Der Nationalpark in seinen heutigen Grenzen ist der einzige Rest von Primärwald in der Region. Erst 1966 wurde er zum Naturreservat erhoben, und der Besuch war fortan nur noch Wissenschaftlern erlaubt.

2011 wurde Lokobe offiziell zum Nationalpark erklärt und damit wieder zugänglich für die Öffentlichkeit. Seitdem versuchen die Mitarbeiter, neue Wege durch den Park zu befestigen und alte wieder begehbar zu machen. Der größte Teil des Parks ist noch völlig unerschlossen. Aktuell gibt es einen flachen Rundweg, der einige Hundert Meter durch den Wald führt, und einen anderthalb Kilometer langen Pfad zum Aussichtspunkt, der auschließlich aus Treppen besteht. Letzterer ist im tropischen Klima der Insel äußerst anstrengend zu begehen, aber der fantastische Ausblick von oben entschädigt für die Mühen. Lokobe hat außerdem eine Besonderheit, die den Park von allen anderen Nationalparks Madagaskar unterscheidet: Es gibt noch keine Guides, so dass man den Regenwald auf eigene Faust erforschen kann. Das hat zwar den Vorteil, dass man sich ungestört alleine im Wald bewegen kann. Wer allerdings wenig Erfahrung mit der Tiersichtung auf Madagaskar hat, wird ohne Guide viele Tiere verpassen. Für viele der kleinen Schönheiten Lokobes braucht man einfach ein sehr gutes Auge. Das Office von Ambanoro, wo man den Eintritt entrichtet, befindet sich direkt am Parkeingang.

Das MNP Office von Lokobe
Die MNP Office von Lokobe

Klima:
Eigentlich hat Nosy Be sein eigenes Klima. Das ganze Jahr über ist es warm mit Temperaturen über 25°C – ein Hauptgrund dafür, dass die Insel schnell zum Touristenmagnet wurde. Es gibt hier kaum einen Unterschied zwischen der Trocken- und der Regenzeit. Niederschlag fällt in moderaten Mengen das ganze Jahr über. Vor viel Wind bleibt die Insel meist verschont, und Zyklone sind selten.

Infrastruktur:
Nosy Be verfügt über die beste Infrastruktur Madagaskars und ist die touristisch meistbesuchte Region des Landes. Hier gibt es Hotels, Lodges und Bungalows für jeden Geldbeutel, von der exklusiven Luxuslodge bis zur einfachen Pension für Rucksackreisende. In der Hauptstadt Andoany finden sich Geschäfte, Restaurants und Bars. Die Stadt ist lokal immernoch unter ihrem ehemaligen Namen Hellville, der aus Kolonialzeiten stammt, bekannt. Die einst hier lebenden Volksstämme der Sakalava und Antakarana wurden längst von internationalem Publikum und Madagassen aus allen Ecken des Landes durchmischt. Im Nationalpark von Lokobe gibt es einen kleinen Campingplatz nahe dem südlichen Strand mit fließend Wasser und überdachten Zeltplätzen (kein Strom).

Mohrenmaki
Ein Mohrenmaki-Männchen

Flora und Fauna:
Der Nationalpark Lokobe besteht aus Tieflandregenwald, in dem man immernoch Urwaldgiganten wie den Ramy-Baum (Canarium madagascariense) bewundern kann. Auch andere, sehr seltene Pflanzen wie die Palmen Dypsis nossibeensis und ampasandavae wachsen hier. Der gesamte Wald ist von Farnen und Flechten überwuchert.

Über Jahrhunderte hatten Tiere und Pflanzen in diesem Park die Möglichkeit, sich völlig ungestört zu entwickeln. 42 Vogelarten fliegen am Himmel von Lokobe. Zwischen dem Grün verstecken sich Chamäleonarten wie das weiß-blaue Pantherchamäleon (Furcifer pardalis), Erdchamäleons (Brookesia stumpffi, ebenaui and minima) und das echte Calumma boettgeri. In den Bäumen, auf den Felsen und entlang kleiner, idyllischer Bäche leben endemische Schildechsen (Zonosaurus boettgeri), Blattnasennattern (Langaha madagascariensis), leuchtend grüne Taggeckos (Phelsuma grandis, seippi, abotti, laticauda, dubia) und kleine Frösche. Mit etwas Glück findet man sogar einen der perfekt getarnten Blattschwanzgeckos (Uroplatus ebenaui und henkeli). Insgesamt sind mehr als 50 Reptilienarten und knapp 35 Amphibienspezies in Lokobe zu Hause. Zu den Fröschen des Parks gehören unter anderem Mantella ebenaui und einer der kleinsten Frösche der Erde, Stumpffia pygmea. Schmetterlingsfreunde werden hier ebenfalls auf ihre Kosten kommen: Über 100 Arten Schmetterlinge leben in Lokobe.

Phelsuma laticauda
Goldstaub-Taggecko

Während man den Regenwald erkundet, wird man meist von neugierigen Mohrenmakis (Eulemur macaco) beobachtet, die durch die Baumkronen springen und recht nahe herankommen. Sie sind die heimlichen Maskottchen des Parks und sehr beliebt unter den Besuchern. Aber die Mohrenmakis sind nicht allein: Manchmal blinzeln die seltenen Hawk-Wieselmakis (Lepilemur tymerlachsoni) verschlafen aus ihren Baumlöchern. Und in der Nacht rennen Mausmakis (Microcebus mamiratra) von Ast zu Ast.

Kurz gefasst: Wer Nosy Be besucht, sollte auf jeden Fall einen Besuch des Nationalparks Lokobe in Erwägung ziehen.

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