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Trickbetrüger im Federkleid: Der Gabeldrongo

Drongos besiedeln den gesamten Kontinent Afrika. Genauso variabel wie der afrikanische Kontinent ist auch ihr Lebensraum auf der Insel Madagaskar. Vom Trocken- bis zum Regenwald, vom intakten Primär-Dschungel bis zu von Menschen bearbeitetem Ackerland: Der Drongo kommt mit fast allen Umgebungen zurecht. Die Drongo-Art auf Madagaskar ist dann aber doch eine Besondere: Hier lebt die madagassische, endemische Unterart des Gabeldrongos (Dicrurus forficatus).

Gabeldrongo im Gegenlicht in Ankarafantsika – gut zu erkennen sind die namensgebenden gegabelten Schwanzfedern

Gabeldrongos sind vor allem als geschickte Trickbetrüger bekannt. Sie verfolgen regelmäßig andere Vögel, darunter Tulukuckuck und Echsenhabicht, und sogar kleine Säugetiere wie Fanaloka und Ringelschwanzmangusten. Hat das verfolgte Tier erfolgreich Beute gemacht, gibt der Gabeldrongo laute Wanrufe ab. Er imitiert dabei ganz genau den Warnruf der Art, die er gerade verfolgt. Aufgeschreckt flüchtet der Vogel oder die Manguste vor dem vermeintlichen Angreifer – und lässt dabei meist das gerade erbeutete Futter fallen. Und schon stibitzt der Gabeldrongo, der die drohende Gefahr nur vorgetäuscht hat, die heruntergefallene Leckerei. Durch diese Trickbetrügerei erbeutet der Gabeldrongo einen guten Teil seiner Mahlzeiten. Er frisst hauptsächlich Insekten und Spinnentiere, verschmäht aber auch kleine Echsen, Frösche oder ein paar Früchte nicht, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Überhaupt ist der Gabeldrongo kein Kind von Traurigkeit. Auf Madagaskar kann man immer wieder beobachten, wie die schwarzen Vögel ihre Fressfeinde oder generell andere Tiere ärgern und aufscheuchen. Kattas, aber auch Schlangen und Madagaskarleguane werden getriezt und genervt, bis sie ihren Platz verlassen oder genervt die potenzielle Beute meiden.

Gabeldrongos bilden keine eigenen Schwärme. Sie mischen sich meist unter andere Vögel, am liebsten Paradiesschnäpper, Madagaskardajale und Wiedehopfe. Die wiederum sind nicht ausschließlich Opfer der gefiederten Trickbetrüger. Sie genießen auch den Schutz, den Gabeldrongos durch ihr Imitationstalent bieten. Denn durch die gefälschten Rufe lassen sich auch Raubvögel und andere Angreifer gut ablenken und in die Irre führen.

Gabeldrongo in Kirindy

Das Ende der Trockenzeit um September, Oktober herum läutet für die Gabeldrongos die Brutsaison ein. Hat sich ein Paar gefunden, legt das Weibchen zwei bis vier kleine Eier in ein kleines Nest. Das Nest liegt weit oben in den Bäumen, meist in Astgabeln, zum Schutz vor Nesträubern. Gabeldrongos sind sehr fürsorglich. Während Brut und Jungtieraufzucht wird das Nest vehement von den Eltern verteidigt. Immerhin kann der Nachwuchs, so er denn das erste Jahr überlebt, später einmal bis zu zehn Jahre alt werden und für Dutzende weiterer Generationen von Gabeldrongos sorgen.

Durch ihr großes Geschick und ihre hohe Anpassungsfähigkeit gibt es Gabeldrongos noch überall auf Madagaskar. Sie sind bisher nicht bedroht und werden sich wohl auch in den nächsten Jahrhunderten noch auf der Insel leben und singen. Apropos Singen, Gabeldrongos sind nicht nur laut und tricksen gerne, sie singen auch viel. Man hört sie meist als erste Vögel am Morgen und als die letzten, die vor dem Sonnenuntergang immer noch singen.

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