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Schutzgebiet Maromizaha

Maromizaha:
Eigentlich besteht das Schutzgebiet aus zwei Waldgebieten, Maromizaha und Vohidrazana. Letzteres bedeutet so viel wie „Berg der Ahnen“. Das madagassische maro mizaha kann dagegen zwei-deutig übersetzt werden. Es kann sowohl „der Ort, den viele Leute erforschen“ meinen als auch „der Wald, den viele Menschen ausbeuten“.

Maromizaha Calumma malthe (2)
Jungtier von Calumma malthe

Lage:
Maromizaha liegt direkt an der RN2 im östlichen Hochland Madagaskars, nur 150 km östlich der Hauptstadt Antananarivo, in der Region Alaotra-Mangoro. Einer der meistbesuchtesten Nationalparks des Landes, Andasibe-Mantadia, liegt nur 20 km entfernt von Maromizaha. Wegen sich stetig verschlechternder Straßen braucht man mit Taxi oder Geländewagen rund vier Stunden von Tana bis Andasibe. Von dort sind Tagesausflüge nach Maromizaha problemlos möglich (etwa 10-15 min Autofahrt). Taxis und Taxibrousse verkehren zwischen Antanananrivo und Andasibe, letztere sind aber wegen der hohen Unfallgefahr nicht zu empfehlen.

Infos zum Schutzgebiet:
Maromizaha ist ein sehr junges Schutzgebiet, das erst seit 2001 überhaupt als solches existiert. Es besteht aus 18,8 km² Hochlandregenwald, wovon Voidrazana den größten Teil mit rund 12 km² einnimmt. Maromizaha selbst hat eine sehr viel kleinere Fläche. Trotzdem ist der Wald enorm wichtig, denn er gehört zum Waldkorridor von Ankeniheny-Zahamena und verbindet verschiedene Regenwälder miteinander.

Im Jahr 2008 übernahm die Groupe d’étude et de recherche sur les primates (GERP) das Management von Maromizaha. GERP ist eine madagassische Gesellschaft mit Sitz in Antananarivo, die 1994 zum Schutz von Madagaskars Lemuren gegründet wurde und in Maromizaha schon viele wissenschaftliche Studien durchgeführt hat. Die Gesellschaft kümmert sich um den Schutz des Waldes, der immer noch durch die umliegenden Dörfer stark bedroht wird. Verschiedene Projekte bringen den Menschen vor Ort nachhaltige Landwirtschaft und alternative Einkommensquellen, beispielsweise durch Imkerei, näher. Drei Dörfer haben inzwischen eigene Baumschulen zur Aufforstung kahlgeschlagener Berghänge, Kinder und Erwachsene werden in Sachen Umweltschutz fortgebildet. Aktuell arbeiten rund 180 Menschen in, mit und für das Schutzgebiet Maromizaha.

Maromizaha Ausgang
Hier kommt man heraus, wenn man den Rundweg richtig herum läuft. Hier kann man aber auch losgehen, nachdem man einen local guide engagiert hat.

Das Reservat ist bisher nur wenig bekannt, und entsprechend noch kaum ausgebaut. Aktuell gibt es einen 11,4 Kilometer langen Rundweg, der neben dem Office beginnt – es empfiehlt sich sehr, diesen „rückwärts“ zu absolvieren, denn dann läuft man wesentlich weniger bergauf. Bis zu einem geschotterten Parkplatz etwa 600 m vor dem Wald“ausgang“ kann man sogar mit dem Geländewagen fahren. Wer den Weg dagegen „richtig herum“ läuft, wird wegen einiger steiler Anstiege sicher ziemlich ins Schwitzen kommen. Die atemberaubende Aussicht über den Wald belohnt jedoch für alle Mühen. Außerdem sollte man für einen Besuch von Maromizaha gut zu Fuß sein, denn viele schmale Pfade bis zum Wald selbst führen an Reisfeldern entlang und über viele provisorische, kleine Baumstamm- und Bretter-Brücken. Dank der vielen Bäche und kleinen Flüsse, die den fantastischen Regenwald speisen, sind einige Wege relativ matschig. Für den gesamten Rundweg sollte man einen Tagesausflug einplanen.

Das Office, in dem man Tickets erwirbt und Guides findet, liegt in einem entsprechend gekennzeichnetem rotem Steinhaus direkt an der RN2. Die Eintrittspreise liegen bei wenigen Euro.

Klima:
Maromizaha liegt auf Höhenlagen von 800 bis 1200 Meter über Meeresniveau, weshalb es nachts das ganze Jahr über relativ kühl mit Temperaturen um 10-15°C werden kann. Zum Camping sollte man daher auch warme Kleidung und einen guten Schlafsack einpacken. Tagsüber ist es meist angenehm warm mit um die 25°C. Regen fällt das ganze Jahr über regelmäßig.

Maromizaha Campground (1)
Unterstellmöglichkeiten für Zelte auf dem Campground

Infrastruktur:
Maromizaha liegt unweit einer der meistbesuchten Nationalparks Madagaskars, Andasibe-Mantadia. Dadurch ist in geringer Entfernung zum Schutzgebiet eine sehr gute Infrastruktur zu finden: Hotels und Lodges nahezu jeder Preisklasse sind vorhanden, Restaurants, kleine Geschäfte und sogar Souvenirshops runden das Angebot ab. Maromizaha selbst verfügt seit 2014 über einen kleinen Campground mit Unterstellmöglichkeiten für alle Größen an Zelten sowie einer Hütte mit rustikalen Tischen und Bänken samt Kochgelegenheit. Ein kleiner Wasserfall in der Nähe kann für eine kalte Dusche genutzt werden. Eine Toilettenhütte existiert, fließendes Wasser oder Strom gibt es jedoch nicht.

Flora und Fauna:
Die Artenvielfalt des Primärregenwaldes von Maromizahas beherbergt 13 Arten von Lemuren, darunter der kürzlich hier wiederentdeckte Große Bambuslemur (Prolemur simus). Der größte Lemur Madagaskars, der Indri (Indri indri), springt hier genauso durch die Baumwipfel wie Diademsifakas (Propithecus diadema) und schwarz-weiße Varis (Varecia variegata). Auf Grund der bisher sehr niedrigen Besucherzahlen sind die Lemuren hier allerdings noch relativ scheu. Das sollte jedoch niemanden davon abhalten, diesen grandiosen, urigen Regenwald zu besuchen.

Maromizaha Calumma malthe (1)
Weibchen von Calumma malthe

Ein paar ganz besondere Juwelen beherbergt Maromizaha auch: Es ist einer der besten Orte Madagaskars, um das wunderschöne Chamäleon Calumma malthe zu finden. Wer den Weg Richtung Voidrazana einschlägt und sich vor Höhen nicht scheut, der wird mit viel Glück sogar Calumma cucullatum, eine extrem seltene Chamäleon-Art, finden. Viele andere der rund 80 Amphibien– und Reptilienarten des Waldes lassen sich mit etwas Geduld im dichten Regenwald oder entlang der vielen Bäche finden. Das Flussufer ist die Heimat vieler Frösche, darunter Schönheiten wie Mantella baroni. Nachts kann man drei Arten von Fledermäusen rund um den Campground fliegen sehen, und das unheimliche Fingertier soll hier den Spuren zu folgen auch vorkommen.

Für Pflanzenfreunde ist Maromizaha ebenfalls ein Paradies: Rund 430 verschiedene Pflanzenarten finden hier ein Zuhause, darunter viele Orchideen und endemische Arten wie Protorhus ditimena oder Uapaca densifolia.

Kurz gefasst: Wer sich auf ein kleines Abenteuer einlassen und den einzigartigen Regenwald von Maromizaha erkunden will, der wird es sicher nicht bereuen.

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