Aktuelle Neuigkeiten

Die Madagaskar-Nachtschwalbe

Schwalben kennt man eigentlich als tagaktiv. Am frühen Morgen hört man ihre Shriiieeh-Rufe, den Tag verbringen sie in der Luft. Die Madagaskar-Nachtschwalbe (Caprimulgus madagascariensis madagascariensis) ist jedoch eine Ausnahme. Dieser ungewöhnliche Vogel schläft am Tage, dicht an den Boden gedrückt. Das marmorierte Gefieder tarnt die Tiere perfekt, sie verschwinden fast vollständig vor dem Untergrund. Selbst bei Störungen verlassen sie ihren Schlafplatz nicht weit.

Erst wenn die Sonne untergeht, begibt die Nachtschwalbe sich auf die Jagd. Ihr Ziel sind nachtaktive Insekten wie Zikaden und Motten. Die Insekten werden im offenen Gelände und über Baumkronen erbeutet. Dabei kommt der Nachtschwalbe ihr kurzer, sehr breiter Schnabel zu Gute: Wie mit einem Kescher fängt sie die Falter im Flug. Nachtschwalben sind enorm geschickte, gewandte Flieger und fast lautlos bei der Jagd. Ihre großen, weit seitlich am Kopf liegenden Augen sorgen für eine bessere Sicht in der Dunkelheit. Gleich Fledermäusen besetzen Madagaskar-Nachtschwalben damit erfolgreich eine kleine, ökologische Nische. Die Madagaskar-Nachtschwalbe wird gerade einmal 40 bis 50 Gramm schwer und 21 bis 23 cm lang. Die mittlere Zehe der Füße ist bei den Nachtschwalben verlängert. Sie dient als „Putzkralle“, mit der die Vögel ihr weiches Gefieder besser pflegen können.

Nachtschwalben-Paar im „Nest“ zwischen den Wurzeln eines Baumes

Die Paarungszeit liegt in der Trockenzeit. Um Weibchen zu beeindrucken, zeigen die Nachtschwalbenmännchen sogenannte Schmetterlingsflüge. Dabei segeln sie ganz langsam fast vertikal durch die Luft, halten die Flügel V-förmig und zeigen ihre weißen Flügelbinden. Die Paarung findet am Boden statt. Das Männchen zeigt seiner Angebeteten mehrere mögliche Brutplätze, indem es zum Boden fliegt und dort eine Art „Schnurren“ zeigt. Die weibliche Nachtschwalbe entscheidet sich schließlich für den Platz, der ihr die beste Tarnung bietet. Ein richtiges Nest baut die Madagaskar-Nachtschwalbe nicht. Die kleinen, gefleckten Eier landen einfach lose auf Pflanzen, irgendwo im dichten Gestrüpp. Mit der Regenzeit schlüpfen die jungen Nachtschwalben. Dann ist das Nahrungsangebot am reichhaltigsten und die Küken haben die besten Startbedingungen. Da es kein Nest gibt, schützt die Nachtschwalbe ihren Nachwuchs unter ihren Flügeln. Man nennt dieses Verhalten „hudern“. Beide Elternteile kümmern sich um die Ernährung der Jungvögel. Mehrere hundert Insekten bringen sie pro Nacht zu den kleinen, hungrigen Schnäbeln. Schon mit drei Wochen können Madagaskar-Nachtschwalben fliegen und ihr eigenes Leben beginnen. Nachtschwalben finden sich nur für eine Brut zusammen. In der nächsten Saison bandeln sie mit einem anderen Partner an.

Übrigens: Obwohl sie Nachtschwalbe heißt, ist dieser Vogel eher mit Seglern und Kolibris verwandt als mit den bei uns bekannten Schwalben. In Europa gibt es aber eine eng verwandte andere Vogelart, den Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus). Die Madagaskar-Nachtschwalbe zählt aktuell noch eine große Population, weshalb ihr Bestand nicht als gefährdet gilt. Sie kommt auf der ganzen Insel vor, in offenen Landschaften bis 1500 m Höhe.

Lesen Sie auch

Die Straße der Unabhängigkeit

Mitten in der Hauptstadt Antananarivo gelegen, ist sie das Zentrum allen Geschehens: Die Straße der …

error: Aus Urheberrechtsgründen ist diese Funktion gesperrt.