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Pinocchio im Regenwald: Calumma gallus

Mit seiner langen, bunten Nase ist dieses Chamäleon wohl eines der interessantesten, wenn auch kleineren Arten unter den Schleuderzungen: Calumma gallus. Manche nennen es das Pinocchio- oder Cyrano-Chamäleon wegen der charakteristischen langen Nase. Aber eigentlich gibt es keinen „richtigen“ deutschen Namen.

Das Leben eines Calumma gallus beginnt, wie bei so vielen Reptilien, im Ei. Das Ei liegt rund 15 cm tief im Erdboden vergraben und wartet auf die intensiven Regenfälle, die das Ende der Trockenzeit einläuten. Hat es genug geregnet, schlüpfen die winzigen Jungtiere und klettern mühselig auf dünne Grashalme. Die Nase liegt beim Schlupf noch am Kopf an, sie ist biegsam und entfaltet sich erst im Laufe der ersten Lebenstage zu ihrer späteren Form. Bei Calumma gallus trägt übrigens nur das Männchen die charakteristische, bunte, lange Nase. Die Nase der Weibchen ist dagegen leuchtend rot und wie ein Blatt geformt. Beide Geschlechter werden gerade einmal elf Zentimeter lang und sind immer sehr flink unterwegs – man muss schon schnell sein, möchte man ein schönes Foto schießen!

Calumma gallus
Ein Männchen im Reservat von Vohimana

In der Regenzeit liegt auch die Paarungssaison der älteren Calumma gallus. Nur für die Fortpflanzung treffen sich Männchen und Weibchen, danach gehen sie wieder getrennte Wege. Das Weibchen legt einige Monate später nur wenige Eier ab. Ein neuer Lebenszyklus beginnt.

Am leichtesten findet man die kleinen Chamäleons an Madagaskars Ostküste im Reservat Vohimana. Sie lieben steile, schwer zugängliche Hänge mit extrem dichtem Bewuchs und vielen Farnen nahe des Regenwaldes. Entsprechend schwer sind sie auch zu finden – nur wer geübt ist und viel Geduld mitbringt, kann Calumma gallus entdecken. Früher konnte man sie auch in Betampona und Mantadia gut finden, doch die Populationen schwinden zusehends durch Brandrodung und immer kleiner werdenden, zersplitterten  Lebensräumen. Wissenschaftlern zufolge ist es den einzelnen Populationen von Calumma gallus kaum noch möglich, zueinander zu finden. Entsprechend werden sie auf der roten Liste der IUCN als „gefährdet“ geführt, sie dürfen nicht exportiert werden und unterliegen strengen Schutzbestimmungen. Keine guten Aussichten für Pinocchio auf Madagaskar – es sei denn, die kleinen Chamäleons verzaubern genug Reisende und bescheren damit ihren menschlichen Nachbarn genug Gründe, sie zu schützen.

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