Brandneues

Schrecken im Urwald: Die Löwenspinne

Einen Schrecken jagt sie einem sicher ein, wenn man sie das erste Mal entdeckt: Damastes leo, eine der wenigen großen Spinnen auf Madagaskar. Acht lange Beine, ein dicker, plumper Körper, leuchtend rote Haare auf schwarzem Grund. Sie sieht zwar aus wie eine Vogelspinne, ist aber nicht einmal mit ihnen verwandt. Damastes leo gehört zu den Riesenkrabbenspinnen, die man auch als Huntsman kennt.

Zur Beruhigung aller Reisender, die mit Spinnen eher auf Kriegsfuß stehen, sei aber schon vorab gesagt: Man bekommt sie sehr, sehr selten zu Gesicht. Eigentlich weiß man von dem bis zu Handteller großem Ungetüm auch nur sehr wenig. Es lebt in den Regenwäldern der Ostküste und des Hochlandes und kann in Masoala, Marojejy, Andasibe-Mantadia, Anjozorobe-Angavo und Ranomfana gefunden werden.

Megaloremmius leo
Ein Männchen der Art in Ranomafana, Foto: Stefan Leber

Die Löwenspinne, wie sie seit 2026 heißt, lebt vor allem auf Bäumen und ist nachtaktiv. Sie baut kein Netz wie andere Spinnen, sondern lauert auf Blattunterseiten sitzend auf vorbeilaufende Insekten, die sie dann überrumpelt und direkt verspeist. Tagsüber ruht sie unter Blättern oder versteckt sich unter Baumrinde. Wer ihr nachts begegnet, sollte auf Gegenwehr gefasst sein. Damastes leo ist nicht nur sehr flink, sondern reagiert auch relativ angriffslustig auf Bedrohungen. Meist reichen jedoch ihre riesigen Beißwerkzeuge (die sogenannten Cheliceren) schon aus, um den Angreifer abzuschrecken. Obwohl die Löwenspinne nicht zu den Vogelspinnen zählt, zeigt sie außerdem eine Verteidigungstaktik, die man eigentlich von genau diesen kennt. Kommt jemand der Spinne zu nahe, hebt sie ihr Hinterteil (man nennt es bei Spinnen Ophistosoma) nach oben und spritzt mit Kot auf den Angreifer. Der Überraschungseffekt des Angriffes wird dann genutzt, um zu fliehen.

Das schwarz gefärbte Männchen der roten Baumspinne wurde erst 2026 von Wissenschaftlern beschrieben. Wie die Eiersäcke von Damastes leo aussehen, weiß man dagegen immer noch nicht, und auch Spiderlinge sind bisher nicht fotografiert worden. Die große, haarige Löwenspinne ist daher nicht nur ein Endemit Madagaskars, sondern auch noch weitestgehend geheimnisvoll und unbekannt.

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