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Erfolgreicher Jäger: Der Madagaskarhabicht

Accipiter henstii in Kirindy (1)

Seinem Namen wird der Madagaskarhabicht (Accipiter henstii) gerecht: Er lebt ausschließlich auf der roten Insel und kommt nirgends anders auf der Welt vor. Häufig sieht man ihn in der Trockenzeit hoch am Himmel rufend seine Kreise ziehen. Madagaskarhabichte werden 52 bis 62 cm groß bei einer beeindruckenden Flügelspannweite von 86 bis 100 Zentimeter. Dabei sind die Weibchen etwas größer und mit rund einem Kilogramm Gewicht fast doppelt so schwer wie die Männchen. Sonst unterscheiden sich die beiden Geschlechter äußerlich kaum. Ihr charakteristischer Ruf ist eine Folge lauter, schneller, schriller „Kwiiii“.

Am besten findet man den Madagaskarhabicht in den küstennahen Regionen Madagaskars des Ostens, Nordens und Westens. Häufigere Funde sind aus den Regenwäldern von Masoala, Ranomafana, Bemanevika und dem Trockenwald von Kirindy bekannt. Man nahm lange an, dass der Madagaskarhabicht im Süden ganz fehlt. Beobachtungen von 2014 legen jedoch nahe, dass der große Greifvogel in einigen Gebieten entlang des Flusses Fiherenana unweit von Toliara (Tuléar) vorkommt. Ursprüngliche, dichte Wälder sind ein bevorzugter Lebensraum des Madagaskarhabichts. Im Reservat von Kirindy lebt er jedoch auch in bewirtschaftetem Trockenwald.

Ein Madagaskarhabicht trinkt an einem Teich

Madagaskarhabichte  sind am besten auf ihren sogenannten Ansitzen zu beobachten. Das sind frei stehende, abgebrochene Baumstämme oder andere hohe Aussichtspunkte, von denen der Raubvogel die Umgebung auf Beutetiere sondieret. Ist ein übermütiger Mausmaki oder ein unvorsichtiger Kuckuck erspäht, schlägt der Madagaskarhabicht zu. Im rasanten Sturzflug greift er das Beutetier mit seinen mächtigen, scharfen Krallen. Dann kehrt der Madagaskarhabicht mitsamt seiner Beute zu seinem Ansitz zurück. Kleinere Vögel werden teils auch in wilden Verfolgungsjagden aus der Luft gegriffen. Dabei schafft der Madagaskarhabicht es, extrem geschickt zwischen dicht stehenden Bäumen zu jagen.

Mit einer anderen Beute macht sich der Habicht wenig beliebt. Madagassische Bauern mögen es – wie überall auf der Welt – gar nicht, wenn ein großer Raubvogel ihre Haus- und Perlhühner schlägt. Tatsächlich ist der Madagaskarhabicht jedoch kein so großer Hühnerdieb wie vielerorts angenommen. Er jagt überhaupt nicht gerne in Dörfern, die kaum Sichtschutz bieten. Seine bevorzugte Nahrung sind blaue Seidenkuckucks, Rotbrust-Seidenkuckucks und Graukehlrallen. Rund ein Drittel des Speiseplans machen sogar Lemuren aus: Besonders Wollmakis sowie braune Makis werden häufig Opfer des gewandten Jägers.

Die Brutsaison des Madagaskarhabichts liegt in der späten Trockenzeit. Die Nester sind verhältnismäßig groß und bestehen aus Zweigen, die mit Blättern ausgepolstert werden. Sie liegen in Astgabeln weit oben in den Baumkronen, bis zu 22 Meter über dem Boden. Das Nest wird von den beiden Madagaskarhabichten mit Argusaugen bewacht. Wer dem Nest ungebeten zu nahe kommt, muss mit gnadenlosen Attacken rechnen.

Stolzer Madagaskarhabicht in Kirindy

Jedes Weibchen legt zwischen September und November zwei, seltener drei Eier. Etwas über einen Monat brütet das Weibchen dann, während das Männchen ihr Futter bringt. Frisch geschlüpfte Madagaskarhabichte tragen noch ein weißes Daunenkleid. Nur wenige davon schaffen es bis ins Erwachsenenalter. Höhlenweihen und andere Greifvögel holen die jungen Habichte direkt aus dem Nest. Die exponierte Lage des Nestes in den Baumkronen macht sie außerdem anfälliger für Unwetter. Die Madagaskarhabichte, die es bis ins Erwachsenenalter schaffen, suchen sich einen Partner und sorgen bald für die nächste Generation Raubvögel. Ihrem Partner sind Madagaskarhabichte ein Leben lang treu.

Die Zukunftsaussichten für den Echsenhabicht sind mäßig gut: Die Population misst zurzeit nur 1000 bis 3000 Vögel. Auf der roten Liste der IUCN gilt der Madagaskarhabicht als gefährdet. Der Trend weist nach unten, die Zahlen sinken. Brandrodung und Holzschlag führen zu einer stetigen Verkleinerung des Lebensraums. Doch der Madagaskarhabicht kommt in etlichen geschützten Gebieten vor, in denen er in Ruhe gelassen wird. Mit etwas Glück werden wohl auch in den nächsten Jahren noch Madagaskarhabichte ihre Kreise über der Tropeninsel Madagaskar ziehen.

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