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Der nicht so ganz feuerrote Frosch

Die dichten, mystischen Regenwälder Madagaskars bieten unzähligen endemischen (also nur hier vorkommenden) Tieren eine Heimat. Darunter ist auch ein besonders bunter Vertreter der Madagaskarfrösche, ein Frosch mit dem wissenschaftlichen Namen Boophis pyrrhus (von griechisch pyrrhos = feuerrot). Man findet ihn an der Ostküste sowie im südlichen Hochland Madagaskars, von Soanierana Ivongo nahe der Insel Nosy Boraha (St. Marie) über den Nationalpark Andasibe-Mantadia bis hinunter in den Nationalpark Ranomafana. Der feuerrote Frosch ist recht anpassungsfähig, benötigt aber zum Laichen stets fließende Gewässer in seiner Nähe und bevorzugt feuchte, dichte Wälder auf 450 bis 915 m Höhe. Ob es sich dabei um einen Primärregenwald oder zerstörte Flächen mit Sekundärvegetation handelt, ist eher zweitrangig.

Hier ist die Sanduhr förmige Zeichnung gut zu erkennen
Hier ist die Sanduhr förmige Zeichnung gut zu erkennen

Gefunden wurde der hübsche Frosch bereits Mitte des 20. Jahrhunderts, aber erst 2001 als eigene Art von den Zoologen Glaw, Vences, Andreone und Vallan beschrieben. Farblich sticht das kleine Amphib trotz seiner geringen Größe von gerade mal zwei bis drei Zentimeter hervor: Seine Grundfarbe ist gelb-orange mit unzähligen, roten Punkten. Leicht zu erkennen ist der Feuerfrosch außerdem an einem Sanduhr-förmigen dunklen Abzeichen auf dem Rücken. Die Iris ist himmelblau mit einem silber-weißen äußerem Ring, bei Weibchen können die Farben etwas weniger prachtvoll mit Grau und Schwarz sein. Die Beine sind braun gebändert, die Flanken weiß. Äußerlich ähneln viele Madagaskarfrösche den südamerikanischen Pfeilgiftfröschen, und tatsächlich sondern sie ähnlich ihren weit entfernten Verwandten giftige Hautsekrete ab, die sie sie vor Fressfeinden schützen. Gefährlich für Menschen sind die bunten Feuerfrösche jedoch nicht. Man könnte meinen, die schönen Farben des Froschs seien für seinen Namen verantwortlich. Tatsächlich wurde der Feuerfrosch so genannt, weil sich tote Exemplare dieser Art bei der Aufbewahrung in Museen im konservierenden Alkohol noch leuchtender rot verfärben.

Von November bis April, also zur Regenzeit, balzen die männlichen Frösche und werben mit lauten Rufen um die weiblichen Feuerfrösche. Sie sitzen dabei auf ein bis zwei Metern Höhe entlang von Bächen und Flüssen. An Hand des Rufes kann man jeden Frosch seiner Art zuordnen: Die Rufe des feuerroten Froschs bestehen aus 12 bis 17 kurzen Tönen, die zuerst etwas chaotisch klingen, aber gegen Ende jeden Rufs harmonischer wirken.

Boophis pyrrhus 2
Feuerroter Frosch auf einem Blatt

Bei der Paarung klettert das Männchen auf das Weibchen, verfällt jedoch nicht in den für viele Frösche typischen Amplexus (ein Klammerreflex). Dabei gibt es sein Sperma auf ihren Rücken, von wo es in die Kloake läuft und die Eier des Weibchens befruchtet. Diese Form der Befruchtung ist eine Besonderheit der Madagaskarfrösche und wie so vieles auf Madagaskar einzigartig in der Tierwelt. Nach der Paarung legen die Weibchen ihren Laich in Pflanzen ab, wo später die braunschwarz gefleckten Kaulquappen schlüpfen. Die Quappen bewegen sich mit schlängelnden Bewegungen zum Wasser, wo sie ihre Verwandlung bis zum fertigen Frosch vollziehen.

Im Gegensatz zu den meisten Tieren Madagaskars ist der feuerrote Frosch auf der roten Liste der IUCN als „nicht gefährdet“ (least concern) eingestuft. Zwar ist sein Lebensraum von Brandrodung, Holzschlag und durch die Beweidung mit Zebus gefährdet, er kommt jedoch auch mit stark zerstörten Habitaten zurecht und ist nicht auf spezielle, sehr außergewöhnliche Biotope angewiesen. Um die Besonderheiten von Boophis pyrrhus besser zu verstehen und den Bestand dauerhaft zu erhalten, züchtet das kommunal betriebene Artenschutzprojekt Mitsinjo in Andasibe die Art seit 2011 nach.

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