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Papier der Antemoro

Eigentlich lebt die Volksgruppe der Antemoro im Südosten Madagaskars, um Manakara und Farafangana. Im südlichen Hochland jedoch gibt es mitten in Ambalavao eine kleine Manufaktur, die die Herstellung des Antaimoro genannten, handgeschöpften Papiers noch zeigt, das einst für die traditionellen Antemoro typisch war und noch heute ist. Ursprünglich stammen die Antemoro von Arabern ab, die das Wissen um die Papierherstellung samt des Korans mit über den Ozean brachten. Als das mitgebrachte Papier sich dem Ende zuneigte, begann die Papierherstellung auf Madagaskar. Die Sorabe (von arabisch sora für Schrift und madagassisch be für groß) ist das berühmteste Schriftwerk, das auf Antaimoro niedergeschrieben wurde. Es enthält eine erste Verschriftlichung der madagassischen Sprache.

Die Fasern werden platt geklopft
Die Fasern werden platt geklopft

Für das Papier braucht es wilde Maulbeerbäume, madagassisch avoha. Ein Teil der benötigten Rinde wird aus dem Südosten Madagaskars angeliefert, der größte Teil jedoch stammt inzwischen aus der Gegend zwischen Ambalavao und Fianarantsoa. Die in Streifen geschnittene Rinde wird gut sechs Stunden lang gekocht, bis sie zu einer bräunlichen, schmierigen Fasermasse wird. Per Hand suchen die Arbeiterinnen nun schwarze Fasern und Dreckkrümel heraus, damit das Papier später so rein wie möglich wird. Die gekochten Fasern werden dann per Hand mit schweren Holzklöppeln rhythmisch platt geklopft, bis nur noch eine breiige Masse auf dem Tisch liegt. Aus dem Brei formen die Arbeiterinnen gut ein halbes Kilo schwere, braune Klumpen, die gut zu lagern und transportieren sind. Die Klumpen müssen daher nicht sofort verarbeitet werden, sondern können auch mal ein paar Tage liegen bleiben.

Das Wasser wird abgelassen
Das Wasser wird abgelassen

Weiter geht die Herstellung an eigens dafür gebauten Holzgestellen, auf denen große, rechteckige, mit dünnen Leinentüchern bespannte Schöpfsiebe aufliegen. In das Gestell wird Wasser gelassen, in dem die Rindenbrei-Klumpen aufgelöst werden. Der Brei muss nun möglichst gleichmäßig im Wasser auf den Leintüchern verteilt werden, um ein überall gleichmäßig dickes Papier zu erhalten. Ist die Arbeiterin mit der Verteilung des Breis zufrieden, lässt sie das Wasser aus dem Gestell. Übrig bleibt eine nasse, dünne Breischicht auf dem Leinentuch. Mit einer metallenen Form und einem Spachtel werden nun die verschiedenen Papierstücke voneinander getrennt – so muss man sie später nicht mehr schneiden und sie behalten den typischen, etwas unregelmäßigen Rand. Für dekorative Papiere wie Lesezeichen, Bilderrahmen oder Alben fängt nun eine zeitaufwändige Kleinarbeit an: Frisch gepflückte, leuchtende Blüten und Blättchen werden einzeln, Stück für Stück, auf das nasse Papier gelegt. Zum Schluss werden die Papiere auf den großen Gestellen in die Sonne gestellt, um sie zu trocknen. Nach ein bis zwei Tagen können die fertigen kleinen Kunstwerke vorsichtig vom Leinen gelöst werden.

Blüten zur Verzierung werden aufgelegt
Blüten zur Verzierung werden aufgelegt

In Ambalavao gibt es neben der eigentlichen Papierherstellung auch eine kleine Manufaktur, die mit Raphiabast und anderen Materialien kleine Dosen für Vanille, Bilderrahmen, Fotoalben und andere hochwertige Antaimoro-Produkte bastelt. Alles wird in Handarbeit hergestellt, nichts geht schnell oder ohne Erfahrung. Deshalb wird das Wissen um die Papierherstellung und – verarbeitung auch heute noch von Generation zu Generation weitergegeben.

Die Papiermanufaktur in Ambalavao ist die ganze Woche über von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet, nur in der Mittagszeit von 11.30 Uhr bis 13 Uhr pausiert die Arbeit. Der Besuch ist kostenlos, wer aber möchte, kann den Frauen ein kleines Trinkgeld geben oder sich im kleinen Laden nebenan mit Antaimoro-Papier eindecken.

Adresse:
Hôtel aux Bougainvillées
(die Manufaktur befindet sich auf dem hinteren Teil des Hotelgeländes)
BP 14 Ambalavao 303

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