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Der große Igeltenrek

Warum er „groß“ genannt wird, weiß man nicht so genau. Eigentlich ist er nur minimal größer als sein nächster Verwandter, der kleine Igeltenrek. Vielleicht stammt der Begriff von seinem Verbreitungsgebiet ab: Es umfasst fast ganz Madagaskar. Lediglich in Mangroven und Sümpfen kommt der große Igeltenrek nicht vor. Regelmäßig treffen kann man den großen Igeltenrek in den Nationalparks Ankarafantsika, Isalo, Montagne d‘Ambre und Ankarana.

Der große Igeltenrek (Setifer setosus) ist ein Einzelgänger. Die meisten Aktivitäten unternimmt er in der Nacht. Den Tag verschläft der Igeltenrek in unteridischen, selbst gegrabenen Höhlen im Sand oder umgefallenen, hohlen Baumstämmen. Jeden Tag wird ein neuer Schlafplatz gesucht. Große Igeltenreks findet man meist auf dem Boden, auch wenn sie ganz gut klettern können. Jeder große Igeltenrek verfügt über ein eigenes Revier. Obwohl die Tiere mit gerade mal 150 bis 300 g Körpergewicht nicht wirklich groß werden, können sie Territorien von bis zu 0,2 km² besetzen. Die Reviere der Weibchen sind – da sie sich um ihre Jungtiere kümmern müssen – nur etwa halb so groß oder noch kleiner. Auf dem Speiseplan des großen Igeltenreks steht eine bunte Vielfalt. Insekten und Spinnentiere machen den größten Anteil aus. Regenwürmer, Vogeleier oder Frösche gehören aber ebenfalls ins Nahrungsspektrum. Selbst Kadaver von Säugetieren werden angefressen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet.

Hochträchtiges Weibchen in der Nacht unterwegs in Ankarafantsika

Während der Regenzeit zwischen Oktober und März beginnt das Männchen, sich für die umliegenden Reviere zu interessieren. Er markiert Bauten von Weibchen und zeigt so über seinen Geruch, dass er an einer Paarung interessiert wäre. Ist das Weibchen bereit, stimuliert es das Männchen durch Scharren an seinem Penis. Der Akt selbst kann eine gute halbe Stunde dauern, da die Geschlechtsteile der großen Igeltenreks sich regelrecht „ineinander verhaken“. Rund zwei Monate ist das Weibchen trächtig. Es sucht ein größeres Nest ein bis drei Meter hoch im Baum und kleidet es mit Pflanzenfasern aus. In dieser Höhle bietet sie dem Nachwuchs größeren Schutz vor Nesträubern wie der Madagaskar-Hundskopfboa, der nördlichen Madagaskarboa oder der Fossa. Das Weibchen wirft bis zu sieben Junge, die als Nesthocker nackt und blind geboren werden. Doch sie holen schnell auf! Mit nur vier bis fünf Wochen sind die jungen großen Igeltenreks bereits entwöhnt. Und das müssen sie auch sein, denn das Weibchen ist bereits wieder paarungsbereit. Bis zu drei Würfe in einer Regenzeit sind von großen Igeltenreks bekannt.

Die hohe Anzahl an Jungtieren macht sich auch der Mensch zu Nutze. Entlang der Ost– und Westküste wird der große Igeltenrek vielfach gejagt und verzehrt. Manchmal sieht man Kinder oder Erwachsene am Straßenrand der Route Nationale stehen und mit einem Stock winken. Wer sich wundert, was genau an einer Schnur daran zappelt: Das sind meist große Igeltenreks oder große Tenreks (Tenrec ecaudatus). Sie werden lebend als Nahrungsvorrat verkauft, mit einem Schlag ins Genick getötet und nach Entfernen der Stacheln auf offenem Feuer gegrillt. Vor allem in der kühleren Trockenzeit ist es sehr einfach, große Igeltenreks zu fangen. Denn wie sein kleiner Verwandter fällt der Igeltenrek in der kühleren Jahreszeit in eine sogenannte Kältestarre, den Torpor.

Während der Kältestarre regelt der große Igeltenrek seine Körpertemperatur herunter, bis sie bei um die 20°C nahezu der Außentemperatur entspricht. Viele Säugetiere würden diese Körpertemperatur nicht überleben. Der Igeltenrek nutz seine außergewöhnliche Fähigkeit, um während der Trockenzeit Energie zu sparen. In vielen Regionen Madagaskars gibt es zu dieser Jahreszeit kaum Futter, die Futtersuche würde aber vermehrt Energie verbrauchen. Also verschläft der Igeltenrek diese Zeit einfach – und wird pünktlich mit Beginn der einsetzenden Regenzeit wieder aktiv.

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