{"id":4445,"date":"2016-07-23T22:04:46","date_gmt":"2016-07-23T20:04:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.madamagazine.com\/?p=4445"},"modified":"2023-11-15T15:54:33","modified_gmt":"2023-11-15T14:54:33","slug":"der-paradiesschnaepper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.madamagazine.com\/en\/der-paradiesschnaepper\/","title":{"rendered":"Der Paradiesschn\u00e4pper"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Klein, aber oho! Der Madagaskar-Paradiesschn\u00e4pper (<em>Terpsiphone mutata<\/em>) ist sicherlich einer der sch\u00f6nsten <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/category\/flora-und-fauna\/vogel\/\">V\u00f6gel<\/a> der Insel, obwohl das Fliegengewicht gerade mal 12 g schwer wird \u2013 das ist gerade mal so viel wie ein Essl\u00f6ffel voll <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/das-korn-des-lebens-reisanbau-auf-madagaskar\/\">Reis<\/a>. Er geh\u00f6rt zur Familie der Monarchen und ist ein Singvogel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihn kann man \u00fcberall auf der Insel beobachten, von Dornw\u00e4ldern bis Regenw\u00e4lder besiedelt er fast alle Lebensr\u00e4ume. Nur gro\u00dfe H\u00f6hen \u00fcber 1600 m \u00fcberl\u00e4sst er lieber anderen V\u00f6geln. Es muss auch gar nicht immer ein ganzer Wald sein: Den Paradiesschn\u00e4pper findet man hin und wieder schon in gr\u00f6\u00dferen G\u00e4rten. Wegen der hohen Anpassungsf\u00e4higkeit gibt es die Art auch auf anderen Inseln des Indischen Ozeans, aber auf jeder Insel kommt nur eine Unterart vor. Auf Madagaskar ist der Rotbrust-Paradiesschn\u00e4pper (<em>Terpsiphone mutata mutata<\/em>) endemisch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5237\" aria-describedby=\"caption-attachment-5237\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-in-Antsokay-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5237 size-medium\" src=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-in-Antsokay-2-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-in-Antsokay-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-in-Antsokay-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-in-Antsokay-2.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5237\" class=\"wp-caption-text\">Paradiesschn\u00e4pper n\u00f6rdlich von Toliara (Tul\u00e9ar)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beschrieben wurde der kleine Vogel im Jahre 1766 vom schwedischen Zoologen Carl von Linn\u00e9, der sich der Erforschung von Tieren und <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/flora\/\">Pflanzen<\/a> aus aller Welt widmete. Madagaskar hat er nie besucht und den Paradiesschn\u00e4pper vermutlich auch nie lebend gesehen. Der deutsche Vogelkundler Constantin Gloger \u00e4nderte den urspr\u00fcnglichen Namen des Paradiesschn\u00e4ppers 1827 dann in <em>Terpsiphone mutata<\/em>. Der Name kommt aus dem Griechischen und dem Latein, er bedeutet so viel wie \u201eandere entz\u00fcckende Stimme\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">M\u00e4nnchen und Weibchen lassen sich leicht unterscheiden, vor allem zur Balzzeit: Das M\u00e4nnchen tr\u00e4gt ein wei\u00dfes Federkleid mit schwarzem Kopf, schwarzen Schwungfedern und einer wei\u00dfen Fl\u00fcgelbinde. Der Sto\u00df mit den markanten Mittelfedern ist das auff\u00e4lligste Merkmal der m\u00e4nnlichen Paradiesschn\u00e4pper: Bis zu 18 cm kann er lang werden! Die Damen kleiden sich das ganze Jahr \u00fcber in rotbraun mit schwarzer Maske oberhalb des Schnabels und schwarzen Schwungfedern. Neben den beiden typischen Geschlechtsf\u00e4rbungen gibt es noch eine dritte Variante, und zwar rotbraun gef\u00e4rbte M\u00e4nnchen. Fr\u00fcher dachte man, es seien Jungtiere oder V\u00f6gel au\u00dferhalb der Brutsaison, doch die rote Variante des M\u00e4nnchens kann man das ganze Jahr \u00fcber vereinzelt finden. Man vermutet heute einen genetischen Hintergrund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ern\u00e4hrung des Paradiesschn\u00e4ppers besteht fast ausschlie\u00dflich aus fliegenden, kleinen <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/insekten-und-spinnen\/\">Insekten<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/insekten-und-spinnen\/\">Spinnen<\/a>. Kleine Falter, aber auch Fliegen, M\u00fccken und Insektenlarven stehen auf dem Speiseplan. Paradiesschn\u00e4pper nutzen au\u00dferdem die Hilfe anderer V\u00f6gel, um an ihre Beute zu gelangen: Sie folgen Rostbauchnewtonien (<em>Newtonia brunneicauda<\/em>) oder Rotvangas (<em>Schetba rufa<\/em>) und schnappen sich alle Insekten, die das vorausfliegende Tier aufgescheucht hat. Grunds\u00e4tzlich ist der Paradiesschn\u00e4pper kein gro\u00dfer Flieger. Er beobachtet lieber und h\u00fcpft im niedrigen Ge\u00e4st umher, legt aber selten lange Flugstrecken zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Regenzeit ab November beginnt die <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/die-beste-reisezeit\/\">Brutsaison<\/a> f\u00fcr die Paradiesschn\u00e4pper. Es ist die insektenreichste Zeit des Jahres, und bietet damit optimale Voraussetzungen f\u00fcr die erfolgreiche Aufzucht der Jungen. Die fr\u00fchesten Paare balzen bereits im September. Um besonders attraktiv zu wirken, stellt das M\u00e4nnchen seine langen Schwanzfedern nach oben. Hat sich ein Paar gefunden, geht es zur Paarung. Sowohl das M\u00e4nnchen als auch das Weibchen beteiligen sich gleicherma\u00dfen am Nestbau. Und das Nest ist sehr speziell: Es hat die Form eines Trichters, klebt an einem Ast bis zu vier Meter \u00fcber dem Boden und besteht aus trockenen Grashalmen, d\u00fcnnen \u00c4stchen und \u2013 auf den ersten Blick auch eher skurril &#8211; Spinnweben. Innen wird das Nest mit Moos gepolstert. Nicht mal eine Woche ben\u00f6tigen die Paradiesschn\u00e4pper, bis ihr Nest bereit f\u00fcr drei kleine, schwach rosafarbene, braun gepunktete Eier ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5264\" aria-describedby=\"caption-attachment-5264\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-M\u00e4nnchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-5264\" src=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-M\u00e4nnchen-212x300.jpg\" alt=\"Paradiesschn\u00e4pper M\u00e4nnchen\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-M\u00e4nnchen-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.madamagazine.com\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/Paradiesschn\u00e4pper-M\u00e4nnchen.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5264\" class=\"wp-caption-text\">M\u00e4nnchen in<a href=\"http:\/\/www.madamagazine.com\/ankarafantsika-national-park\/\"> Ankarafantsika<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jetzt beginnt eine schwierige Zeit f\u00fcr die wachsamen Eltern: Madagaskar-Kuckus (<em>Cuculus rochi<\/em>) versuchen, fremde Eier ins Nest zu schmuggeln. <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/trickbetrueger-im-federkleid-der-gabeldrongo\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gabeldrongos<\/a>\u00a0 und andere V\u00f6gel zerlegen die fein s\u00e4uberlich hergerichteten Nester, um das Nistmaterial selbst weiterzuverwenden. Gebr\u00fctet wird beim Paradiesschn\u00e4pper deshalb abwechselnd, f\u00fcr rund zwei Wochen. Dann schl\u00fcpfen die jungen Nestlinge. Noch sind sie nackt, aber schon nach wenigen Tagen sprie\u00dfen die ersten Federn. Bereits nach zehn oder elf Tagen werden die kleinen Paradiesschn\u00e4pper zu \u00c4stlingen. Die Eltern versorgen die Jungv\u00f6gel weiter, die zwar schon zwischen den \u00c4sten umher springen, aber noch nicht besonders gewandt fliegen. Meist br\u00fcten Paradiesschn\u00e4pper-Paare zwei Mal pro Regenzeit. Kurioserweise haben Paare, bei denen das M\u00e4nnchen einen besonders langen Federschwanz hat, bessere Aufzuchterfolge als bei M\u00e4nnchen mit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzen Schwanzfedern. In der Trockenzeit muss der Nachwuchs fl\u00fcgge sein, denn dann nimmt das Nahrungsangebot in vielen Gegenden Madagaskars rapide ab. Nur wer bereits ein geschickter Fliegenj\u00e4ger ist, kann dann \u00fcberleben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Madagaskar-Paradiesschn\u00e4pper gilt nicht als gef\u00e4hrdet, auch wenn es noch keine Z\u00e4hlung gab. Er hat einige nat\u00fcrliche Feinde wie <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/category\/flora-und-fauna\/vogel\/\">Raubv\u00f6gel<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/reptilien\/\">Schlangen<\/a> und gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/reptilien\/\">Cham\u00e4leons<\/a>, aber auch <a href=\"https:\/\/www.madamagazine.com\/sonstige-saugetiere\/\">Madagaskarratten<\/a> sind vielerorts ein Problem f\u00fcr die Tiere. Trotzdem d\u00fcrfte der Paradiesschn\u00e4pper auf Madagaskar noch viele Jahre vorkommen, und noch viele Menschen mit seinem h\u00fcbschen \u00c4u\u00dferen und seinem Gesang erfreuen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div class=\"box note  aligncenter\"><div class=\"box-inner-block\"><i class=\"fa tie-shortcode-boxicon\"><\/i>\n\t\t\t<strong>Mehr Lesens- und Sehenswertes zum Thema:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Fotos, Gesang und Videos in <a href=\"https:\/\/www.hbw.com\/ibc\/species\/madagascar-paradise-flycatcher-terpsiphone-mutata\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">The Internet Bird Collection (IBC)<\/a><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Habitat density, song structure and dialects in the Madagascar paradise flycatcher<br \/>\nWissenschaftl. Artikel | Journal of Avian Biology 2006 | Autoren: Wouter van Dongen, Raoul Mulder<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Ontogeny of male plumage dichromatism in Madagascar paradise flycatchers<br \/>\nWissenschaftl. Artikel | Journal of Avian Biology 2003 | Autoren: Raoul Mulder, Robert Ramiarison<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">The composition and foraging behaviour of mixed-species flocks of forest-living birds in Madagascar<br \/>\nWissenschaftl. Artikel | Internat. Journal of Avian Science 1993 | Autoren: Kazuhiro Eguchi, Satoshi Yamagishi und Voara Randrianasolo\n\t\t\t<\/div><\/div><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klein, aber oho! Der Madagaskar-Paradiesschn\u00e4pper (Terpsiphone mutata) ist sicherlich einer der sch\u00f6nsten V\u00f6gel der Insel, obwohl das Fliegengewicht gerade mal 12 g schwer wird \u2013 das ist gerade mal so viel wie ein Essl\u00f6ffel voll Reis. Er geh\u00f6rt zur Familie der Monarchen und ist ein Singvogel. 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