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Zahamena Nationalpark

Zahamena:
Zahamena bedeutet übersetzt „rote Bäume“, was auf eine Baumart namens Diatum unifoliatum anspielt, die nur hier vorkommt und charakteristisch rötlich-orangefarbene Rinde trägt.

Zahamena
Duschen im Wasserfall Andranomitsanga

Lage:
Der Nationalpark Zahamena liegt im nordöstlichen Hochland Madagaskars in der Region Alaotra-Mangoro. Die Gegend ist berühmt für den rund 25 km entfernten größten Binnensee Madagaskars, den Lac Alaotra. Die nächstgrößere Stadt ist Ambatondrazaka, das etwa 40 km südwestlich des Parks liegt. Von der Hauptstadt Antananarivo braucht man etwa zwei bis drei Stunden mit dem Geländewagen auf der RN2 bis nach Moramanga. Von dort verkehrt mittwochs und samstags ein Zug nach Ambatondrazaka (etwa 5-6 Stunden Fahrtzeit). Alternativ kann man mit dem Geländewagen die RN44 weiterfahren (dauert genauso lange): Nur zwei Bereiche über 20 und 30 km der Straße sind asphaltiert, dazwischen liegen 158 km offroad Piste. Von Ambatondrazaka sind es weitere 67 km offroad bis nach Antanandava, wo das Park Office liegt, und noch einmal 8 km bis zum Parkeingang nahe Ankosy (zusammen rund 4 h Fahrt). Wer keinen 4×4 mitgebracht hat, geht von Antanandava 6 Kilometer zu Fuß bis nach Ankosy.

Insgesamt sind es knapp 350 km von Tana nach Zahamena, und man sollte für die Anreise mindestens einen kompletten Tag einplanen, besser zwei – und einen erfahrenen Fahrer haben.

Infos zum Nationalpark:
Die Gegend um Zahamena wurde bereits 1927 zum Reserve naturelle integrale ernannt, und erstreckt sich über 643 km² des Gebirges, das die Ostküste Madagaskars vom zentralen Hochlandplateau trennt. Nur 423 km² dieses Gebietes gehören tatsächlich zum Nationalpark Zahamena, der erst 1997 eröffnet wurde und damit für Besucher erstmals offiziell zugänglich wurde. Der Nationalpark ist in einen östlichen und einen westlichen Wald geteilt, dazwischen befinden sich bewohnte Dörfer. 2007 wurde Zahamena zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt.

Zahamena
Hinweisschilder auf Madagaskar sind gerne mal sehr optimistisch, was die tatsächlichen Strecken angeht

Rund um den Park leben vor allem die Volksstämme der Betsimisaraka und Sihanaka. Seit etlichen Jahren wird nahe des Parks in großem Stile Saphirabbau betrieben, der 2016 nochmal einen starken Schub ähnlich des Saphirrauschs in Ilakaka erfuhr. Dadurch haben Brandrodung, verwüstete Böden und Holzschlag auch innerhalb der Nationalparkgrenzen stark zugenommen. Der Schutz des Parks steht mangels Besuchern und finanzieller Mittel derzeit auf hölzernen Füßen.

Aktuell gibt es nur zwei Rundwege im Nationalpark Zahamena, die beide mindestens einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, eher mehr. Die Wege sind größtenteils sehr schwer zu begehen, und der von Schluchten, Flüssen und steilen Hängen durchzogene Wald tut sein Übriges dazu, die Wanderungen extrem anstrengend werden zu lassen. Etliche Kilometer hinter Camp Bemoara liegt ein 80 m hoher Wasserfall namens Andranomitsanga, in dem man sich wunderbar erfrischen kann.

Klima:
Das Klima ist tropisch und feucht, auch während der Trockenzeit von April bis Oktober fällt hier regelmäßig Regen. Der Nationalpark liegt auf Höhen zwischen 250 und 1560 m, wodurch eine Vielfalt an Biotopen und Klimata entstanden ist. In den höheren Höhenlagen kann es beim Camping nachts recht kühl mit Temperaturen von 10 bis 15°C werden.

Infrastruktur:

Zahamena
Gesamte sanitäre Anlage in Camp Bemoara

Leider ist Infrastruktur in Zahamena bisher praktisch nicht vorhanden, weil es so gut wie keine Besucher gibt. In Antanandava gibt es ein sehr einfaches, von Dorfbewohnern betriebenes „Gästehaus“ für wenige Personen. Hotels, Restaurants, Lodges oder ähnliches gibt es sonst rund um den Nationalpark nicht. Unterkünfte in Ambatondrazaka scheiden wegen der langen offroad-Fahrt bis zum Park aus. Englischsprachige Guides sind sehr rar – wer den aktuell (2017) einzigen erwischt, hat Glück.

Innerhalb des Parks befindet sich rund 6 km vom Eingang entfernt Camp Bemoara direkt am Fluss Manambato, eine kleine Lichtung ohne Strom, ausgestattet lediglich mit einem einzelnen Plumpsklo. Wer hier campen will, muss jegliche Ausrüstung, Wasser und Zelte bereits von Antananarivo aus mitnehmen, Kohle und gängige Lebensmittel können in Ambatondrazaka erworben werden. Die gesamte Ausrüstung muss zu Fuß in den Park befördert werden. Die lokalen Guides können gegen einen kleinen Obolus Träger organisieren. Ein zweites rudimentäres Camp, Ranomitsanga, mit Plumpsklo und überdachtem Zeltplatz liegt nahe des großen Wasserfalls.

Fauna & Flora:
Zahamena verfügt über einen atemberaubenden primären Regenwald mit ähnlicher Artenvielfalt wie der benachbarte Nationalpark Andasibe-Mantadia. Wer alle Hindernisse nimmt, um hierher zu kommen, wird dafür mit einem fantastischen Naturerlebnis belohnt werden. Hier trifft man weit und breit niemanden im Wald und kann die Natur völlig ungestört genießen, viele Tiere sind einfach zu finden. Allein 13 Arten von Lemuren leben im Regenwald von Zahamena, darunter der größte Lemur, der Indri (Indri indri), genauso wie Diademsifakas (Propithecus diadema) und schwarz-weiße Varis (Varecia variegata). Ein heimlicher, nachtaktiver und noch kaum erforschter Bewohners Zahamenas ist außerdem der Büschelohrmaki (Allocebus trichotis). Wesentlich leichter zu finden sind Maus- und Fettschwanzmankis, die nachts sogar die Camps besuchen.

Paroedura masobe
Paroedura masobe

Zahamena ist aber besonders berühmt für seine Vogelwelt: 112 Arten von Vögeln leben hier, über die Hälfte davon ist endemisch und kommt nirgends anders als auf Madagaskar vor. Zu den toll zu beobachtenden Arten gehören der blaue Seidenkuckuck (Coua caerulea), Paradiesschnäpper und die allgegenwärtige Fanovana-Newtonie (Newtonia fanovanae). Aber Zahamena ist auch in anderen Bereichen reich bestückt: Knapp 50 Reptilien- und über 60 Amphibien-Spezies kreuchen, quaken und springen durch den Regenwald. Darunter ist auch der Gecko Paroedura masobe, benannt nach seinen auffallend großen Augen (madagassisch maso be), den es nur in diesem Waldkorridor gibt. Chamäleons wie Calumma brevicorne und Calumma gastrotaenia sind leicht zu entdeckende Waldbewohner, und die Madagaskar-Hundskopfboa kommt ebenfalls hier vor. Auch für Botaniker lässt Zahamena wenig Wünsche offen. Allein 60 Arten Orchideen sind aus dem Park bekannt, und die vielen Palmen, Farmen und Moose bieten eine einmalige Atmosphäre.

Kurz gefasst: Zahamena ist kein einfacher Regenwald – dieser Nationalpark erfordert körperliche Fitness und niedrige Ansprüche an Unterkünfte. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, den erwartet jedoch ein grandioses Regenwald-Erlebnis an einem Ort fernab der Touristenströme.

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