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Toaka gasy – Der Rum, der Tote weckt

Madagaskar ist berühmt für seinen Rum. Neben dem in Fabriken kommerziell hergestellten Rum wie Dzama gibt es aber auch immernoch eine besondere Art des traditionell hergestellten Rums auf der Insel: Toaka gasy. Das Wort bedeutet einfach „madagassischer Rum“. Gemeint ist damit der von Hand auf dem Land hergestellte Rum, der Gerüchten nach sogar Tote wieder auferwecken kann.

Die Herstellung von Toaka gasy ist auf Madagaskar nur für den Eigenbedarf erlaubt. Im Süden Madagaskars allerdings interessiert das keinen so richtig. Hier leben ganze Dörfer von der Herstellung des Rums, und direkt an der RN7 ist in den letzten Jahrzehnten ein blühender Handel mit Toaka gasy entstanden. Wird man in einem Taxibrousse mit mehreren Flaschen davon aufgegriffen oder versucht gar, den Rum literweise aus dem Süden zu schmuggeln, hat man mit hohen Strafen zu rechnen. Im Süden Madagaskars kostet ein Liter Rum etwa 2000 Ariary. Allerdings nicht für alle: Wer aus der Hauptstadt bis hierhin reist oder mit ausländischen Touristen unterwegs ist, zahlt schnell auch das Doppelte oder Dreifache.

Toaka gasy
Die Schnitzelmischung im Ölfass

Am liebsten wird eine Mischung aus Tamarinden- und Zuckerrohrschnitzel für die Rumproduktion verwendet. Die Tamarinden werden von den gleichnamigen Bäumen geerntet, das Zuckerrohr vom Feld. Beides wird kleingeschnitten und gestampft. Aus einem  alten Ölfass voll Zuckerrohrschnitzel lassen sich im Durchschnitt gute 20 Liter Rum herstellen.

Rund sieben Tage lang, je nach Wetterlage, muss die Masse in den mit Lehm verschlossenen Ölfässern gären. Durch die Gärung entsteht Alkohol. Ist die Gärung abgeschlossen, kommen die Fässer auf offenes Feuer. Meist kann nur ein halbes Fass auf einmal aufgekocht und in die Destillationsapparatur geleitet werden. Die ist komplett selbstgebaut und besteht aus einem Metallrohr in einem schmutzigen Holztrog, der mit noch schmutzigerem Wasser gefüllt ist. Der verdampfende Alkohol wird vom Ölfass in das Metallrohr geleitet, wo er durch das umgebende Wasser gekühlt wird und dadurch kondensiert. Am Ende des Rohres  findet sich ein kleiner Ablass, unter den man einfach eine leere Colaflasche stellt. Direkt an diesem Rohrende befindet sich auch oft ein kleines, schmutziges Stück Wolle, das als rudimentärer Filter dient. Das Ergebnis ist eine klare Flüssigkeit, die es in sich hat.

Toaka gasy
Die Destillationsapparatur

Wer den traditionell hergestellten Rum kaufen möchte, muss aufpassen. Für die Madagassen gilt: Je hochprozentiger, desto reiner und qualitativ besser der Rum. Vielerorts wird der Toaka jedoch mit Wasser gestreckt, um ihn trinkbar zu machen – und sauber ist das meist nicht. Dazu kommt, dass die Rumbauern in der Regel keine Ahnung haben, wie hochprozentig ihr Getränk tatsächlich ist. Über 75% Alkoholgehalt sind durchaus möglich. Wer sich der Gefahr der hohen Promillewerte nicht bewusst ist, kann relativ zügig eine Alkoholvergiftung bekommen oder bleibende Schäden davontragen.

Nichtsdestotrotz gehört der traditionell hergestellte Rum auf Madagaskar zu jeder Feierlichkeit, er wird bei Hochzeiten genauso getrunken wie zu Opferungszeremonien, Beschneidungen und auf Famadihanas. Es ist der Rum, der Zungen löst und eine gute Zeit verheißt – solange man nicht zu viel davon trinkt.

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