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Zweiter Weltkrieg – Operation Ironclad

Seit dem Waffenstillstand von Compiègne im Juni 1940 standen weite Teile Frankreichs sowie die Überseegebiete – und damit auch die damalige Kolonie Madagaskar – unter deutscher Militärverwaltung mit einer französischen Regierung in Vichy. Diese sogenannte Vichy-Regierung war also de facto in Besitz Madagaskars. Derweil hatte Japan die Vorherrschaft im Indischen Ozean gewonnen. Es war geplant, Madagaskar von deutscher Seite den Japanern zu überlassen, um die Kontrolle Verbündeter über wichtige Seewege zu erhöhen.

Operation Ironclad
Aufklärungsflüge über Madagaskar

Das kam Großbritannien jedoch schon Ende 1941 zu Ohren. Um die Übernahme der roten Insel als U-Boot-Stützpunkt für Japan zu verhindern, plante Großbritannien einen Präventivschlag. Dabei sollte Madagaskar von britischer Seite besetzt werden. In einem Brief Charles de Gaulles an Winston Churchill forderte der Franzose, es müssten freifranzösische Truppen gegen Madagaskar eingesetzt werden. Churchill dagegen beschloss, Madagaskar ohne freifranzösische Hilfe zu besetzen. Im März und April 1942 wurden erste britische Aufklärungsflüge der South African Air Force über Antsiranana (Diego Suarez) durchgeführt. Bereits am 23. März 1942 verließ eine Flotte namens Force 121 Großbritannien, um in Sierra Leone auf weitere Truppen namens Force H, geführt von Admiral Edward Syfret, zu treffen. In Südafrika stieß noch eine weitere Truppe dazu.

Am 05. Mai 1942 begann Großbritannien die sogenannte Operation Ironclad (zu deutsch „Panzerschiff“). Mit mehr als 50 Schiffen hielt die Force 121 unter General Robert Sturges von den Royal Marines auf Diego Suarez (heute Antsiranana) an der Nordküste Madagaskars zu. Die Landstreitkräfte der Briten standen unter Leitung von Admiral Edward Syfret. Während im Osten Antsirananas ein Ablenkungsangriff geführt wurde, fiel die Infanterie mit Landungsbooten in den Buchten von Courrier und Ambarartra ein. Bereits in der Bucht von Diego Suarez befindliche Schiffe der Vichy-Truppen, geführt von Generalgouverneur Armand Annet, wurden von der britischen Luftwaffe bombardiert. Annet hatte insgesamt rund 8000 Soldaten unter seinem Kommando, davon über 6000 Madagassen. Nur maximal 3000 davon waren überhaupt um Diego Suarez herum stationiert, und dazu war die Ausrüstung der Madagassen eher mäßig. Die übrigen Soldaten befanden sich verteilt auf Tamatave (dem heutigen Toamasina) und Brickaville (heute Ampasimanolotra) an der Ostküste, in Ambanja im Nordwesten, auf Nosy Be sowie einigen kleineren Städten im Süden Madagaskars. Entsprechend ungebündelt war die Gegenwehr der deutsch-madagassischen Truppen gegenüber dem britischen Angriff.

Am 07. Mai 1942 – nach nur zwei Tagen – endete die Schlacht mit dem Abzug der Vichy-Truppen in den Süden Madagaskars. Erst am 29. Mai 1942 erreichten drei japanische U-Boote die Bucht von Diego. Nach einem Gefecht zweier kleinerer, vorausgeschickter U-Boote mit dem britischen Schlachtschiff HMS Ramillies strandete die japanische Besatzung eines der U-Boote. Nur drei Tage später wurden sie von Royal Marines entdeckt und getötet. Das zweite vorausgeschickte U-Boot wurde während der Kämpfe im Meer versenkt. Danach fanden über mehrere Monate immer wieder kleinere Gefechte statt.

Operation Ironclad
Soldaten im Hafen von Tamatave (heute Toamasina)

Von Juni bis August kam Unterstützung für die britischen Truppen an Land: Eine Brigade der King’s African Rifles aus Britisch-Ostafrika, und zwei südafrikanische Brigaden, eine davon aus dem britischen Protektorat Rhodesien.

Am 10. September 1942 fielen die Briten in Majunga (heute Mahajanga) im Nordwesten Madagaskars ein – geplant war dieser Angriff als Operation Streamline Jane. Von Majunga aus eroberten sie die Hauptstadt Antananarivo und die etwas weiter südlich im Hochland gelegene Stadt Ambalavao gegen relativ wenig Widerstand. Annet ergab sich mit seinen Truppen schließlich am 08. November in Ihosy im Süden Madagaskars. Bis zu diesem Zeitpunkt waren auf beiden Seiten insgesamt rund 600 Menschen getötet worden.

Nach der für Großbritannien erfolgreichen Operation Ironclad wurde General Paul Legentilhomme neuer Hochkommissar Madagaskars. Er gehörte zu den freien Franzosen. Als Frankreich 1943 befreit wurde, schlug sich dies auch sofort in Madagaskar wieder: Erneut kam es zur Übernahme der Macht und fortgeführter französischer Kolonialherrschaft. Wenig später begann Madagaskars Kampf um die Unabhängigkeit.

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