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Reservat Reniala

Tief unten an der Südwestküste Madagaskars, rund 30 km von der Großstadt Toliara (Tuléar) entfernt, liegt das kleine Dorf Ifaty-Mangily direkt am Meer. Über eine staubige Sandpiste (RN9) kann man es von Toliara aus in ein bis zwei Stunden mit dem Geländewagen erreichen. Direkt am Ortsausgang von Ifaty-Mangily liegt ein kleines, privates Reservat namens Reniala. Der Name bedeutet übersetzt „Mutter des Waldes“ und ist der Spitzname der hier heimischen Baobabs (Affenbrotbäume).

Baobab-Blüte im Frühjahr
Baobab-Blüte im Frühjahr

1997 wurde die Idee geboren, im Zuge französisch-madagassischer Zusammenarbeit ein Stück Land nahe Ifaty zum Schutzgebiet zu machen – die nichtstaatliche Organisation Reniala war geboren. Eröffnet wurde das Reservat schließlich im Jahr 2001 als botanischer Garten, ornithologischer Park und Baobabwald. Der 0,57 km² große Dornwald gehört inzwischen zu den letzten Stücken Primärwäldern des Südens und wurde bis auf das Anlegen von Wegen nicht verändert. Viele endemische Pflanzen des Dornwaldes kann man hier bewundern, darunter unzählige Didieraceaen, die berühmten Baobabs (Adansonia rubrostipa), Pachypodien, Euphorbien und andere außergewöhnliche Gewächse. Der größte Baobab Ifatys, wegen seines Aussehens liebevoll „Teekännchen“ getauft, befindet sich ebenfalls im Reniala. Er soll rund 1500 Jahre alt sein und hat aktuell einen beeindruckenden Umfang von mehr als 10 m.

Als ornithologischer Park bietet das Reservat besonders für Vogelfreunde viele Beobachtungs- und Entdeckungsmöglichkeiten. Mit ein wenig Geduld kann man hier beispielsweise die große Madagasgarhöhlenweihe (Polyboroides radiatus), einen großen Greifvogel, erspähen, oder Sichelschnabelvanga (Falculea palliata), Weißkopfvanga (Artamella viridis) und Schwarzkehl-Laufhühnchen (Turnix nigricollis) in ihrer natürlichen Umgebung finden.

Reniala Schildkröte 2
Eine der bedrohten Strahlenschildkröten

 Reniala ist außerdem Heimat vieler nur im Süden Madagaskars vorkommender Reptilien. Eine große Population der seltenen Strahlen- und Spinnenschildkröten (Astrochelys radiata und Pyxis arachnoides) lebt auf dem sandigen Boden des Dornwalds und teilt sich ihr Territorium mit vielen Madagaskar-Sandleguanen (Chalarodon madagascariensis). Im Frühjahr kann man farbenfrohe Chamäleons (Furcifer antimena und verrucosus, seltener Furcifer major) in den Bäumen und Gebüschen finden und die ein oder andere Schlange (Acantrophis dumerili, Leioheterodon geayi) kreuzt den Weg der Besucher.

Seit mehreren Jahren gibt es Bemühungen, mit finanzieller Unterstützung aus Europa im Reservat mehrere Gruppen Kattas anzusiedeln. Die Tiere stammen aus dem 2011 eingerichteten Lemur Rescue Center des Reniala Reservats, das beschlagnahmte Tiere aufnimmt und auf die Wiederauswilderung vorbereitet. Es ist das erste seiner Art in ganz Madagaskar und arbeitet eng mit Wissenschaftlern zusammen. Um der Haltung von Kattas für Touristen oder als Haustier vorzubeugen, betreiben die Mitarbeiter des Reservats Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und versuchen, den Menschen Artenschutz und Ökotourismus näher zu bringen.

Baobab
Baobab

Da es sich um ein privates Reservat und keinen Nationalpark handelt, können auch geführte Nachtwanderungen im Reniala organisiert werden, um die kleinsten Lemuren des Parks kennenzulernen: Die nachtaktiven Mausmakis (Microcebus murinus und griseorufus). Gegen kleines Geld kann man in einfachen Zimmern direkt vor Ort in der „Auberge de trois makis“ (Drei-Maki-Herberge) übernachten (max. 15 Personen, Voranmeldung erbeten).

Zur Zeit verfügt das Reservat über 12 Mitarbeiter, davon vier local guides, die Besucher gerne durch den Park führen und die einheimische Flora und Fauna erklären. Der Eintritt kostet zwischen 13.000 und 30.000 Ariary (5 bis 10 €) pro Person je nach Dauer des Besuchs und gewählter Tour (Vögel/Reptilien/Botanik, ein bis drei Stunden). Die Wege sind eben und sehr gut begehbar, allerdings sollte man wegen des heißen Klimas Sonnencreme, lange Kleidung und Wasser nicht vergessen. Geöffnet ist das Reservat von 7.30 Uhr bis 17.30 Uhr in der Regenzeit sowie von 8 bis 18 Uhr in der Trockenzeit.

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