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Die Schreckensherrschaft Ranavalonas I.

1828 kam nach dem Tod ihres Gatten Königin Ranavalona I. durch Tötung aller anderen potenziellen Regenten (Ehefrauen, Söhne, Mutter) an die Macht. Sie war zu diesem Zeitpunkt zwischen 30 und 40 Jahre alt. Ranavalona I. ging eher unrühmlich in die Geschichte ein und trägt den Beinamen „die Grausame“. Ihre Regentschaft wird von vielen Madagassen auch als tany maizina, zu deutsch Jahre der Finsternis, bezeichnet.

Ranavalona I
Ein Gemälde von Ranavalona I.

Während der 33 Jahre ihrer Regentschaft folterte und mordete Ranavalona I. sowohl Untertanen als auch Fremde und schottete ihr Reich gegen jeden Einfluss von außen ab. Alle Verträge, die Radama I. mit Großbritannien geschlossen hatte, erklärte Ranavalona I. für nichtig. Entgegen der liberalen Ansätze der beiden vohergehenden Könige der Merina sorgte Ranavalona I. dafür, dass Adelige und Schamanen wieder vermehrt Macht zugestanden bekamen, und auch alle anderen Fortschritte waren bald wieder rückgängig gemacht. Der Handel mit anderen Ländern kam rasch zum Erliegen, und Madagaskar wurde zur wirtschaftlich isolierten Insel. Die fanompoana, also der Arbeitseinsatz von armen Madagassen als Gegenleistung für nicht gezahlte Steuern, gewann unter der Königin wieder an Einfluss. Die faktisch als Sklaven genutzten Arbeitskräfte wurden von Ranavalona I. zum Bau von Häusern, als Träger, Soldaten oder zu jedem anderen Zweck genutzt, zu dem sie Arbeiter benötigte. Da die Menschen keine Bezahlung erhielten und Fußmärsche in ihre Heimatdörfer wegen der großen Entfernung oft unmöglich waren, starben viele an Hunger. 1835 wurde Ranavalona I. schwer krank, gesundete jedoch zu aller Erstaunen wieder. Sie schrieb dies der Macht der Sampy zu, den 12 Talismanen. Als Folge und um die alten Bräuche wieder überall zu verbreiten, verbot Ranavalona I. jegliche Ausübung des Christentums und damit die Missionarsarbeit auf Madagaskar. Nicht geflohene Christen wurden verfolgt und brutal ermordet. Als sogenanntes Gottesurteil führte Ranavalona I. ein, dass verdächtigte Räuber, Christen und Diebe das Gift der Tangena-Nuss zu sich nehmen mussten, das Verfahren wurde Tanguin genannt. Überlebten sie, waren sie unschuldig – das geschah jedoch sehr selten.

Kronprinz Radama II., der Sohn Ranavalonas I. und mit damaligem Namen Rakoto, war unter starkem französischem Einfluss in Antananarivo aufgewachsen. Er sah die Greueltaten seiner Mutter sehr kritisch und war beim Volk beliebt, da er unschuldig Verurteilte befreite oder vor dem Tanguin bewahrte und Sklaven sowie einfache Soldaten mit Essen versorgte. Mit vielen Ausländern verbanden den Prinzen Bekanntschaften.

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Lambert“ width=“262″ height=“300″ /> Joseph Francois Lambert

Anfang der 1850er Jahre war der Franzose, Geschäftsmann und Abenteurer Joseph-Francois Lambert bereits nach Madagaskar gekommen. Er hatte es durch eine Heirat und Sklavenhandel auf Mauritius zu Wohlstand gebracht. An der Ostküste konnte er Merina-Truppen zu Hilfe kommen, die von rebellierenden Bauern bedroht wurden. Zum Dank wurde Lambert von Königin Ranavalona I. zur Audienz in die Hauptstadt geladen, wo er Jean Laborde kennenlernte. Laborde lebte zu dieser Zeit am Hofe der Königin, wo er Wissen zur Waffenherstellung, Landwirtschaft und Hausbau weitergab. An der Weiterentwicklung ihrer Heere sowie der Wirtschaft war Ranavalona I. durchaus interessiert, und sie hatte verschiedene Berater am Hofe. Da sie wenig Erfahrung mit Kabarys, also öffentlichen Reden und Ankündigen hatte, zog Königin Ranavalona I. es vor, jegliche neuen Gesetzte oder Veröffentlichungen per Schreiben an ihre Untertanen weiterzugeben.

Schließlich fasste Radama II. gemeinsam mit dem befreundeten Franzosen Joseph-Francois Lambert den Plan, seine Mutter ihrer Macht zu entheben, um das Morden und Foltern zu beenden. 1854 schrieb er einen Brief an Napoléon III., und bat um eine Invasion Madagaskars durch Frankreich. Ob dieser Brief tatsächlich von Radama und nicht vielmehr von Lambert selbst verfasst wurde, ist heute umstritten. Die Ansichten tendieren eher dazu, dass Radama den Brief zumindest nicht selbst geschrieben haben konnte, da er der Historie nach nicht des schriftlichen Französisch mächtig war.

Radama II
Radama II.

Am 28.06.1855 setzte Radama II. seinen Namen unter die sogenannte Lambert-Charta. Die Charta gestand Lambert das alleinige Recht zu, alle Mineralien, Wälder sowie unbesetzte Länderein Madagaskars auszubeuten. Vereinbart war lediglich eine Abgabe von 10 % des Gewinns an den König der Merina. Im Gegenzug war vereinbart, dass Lambert in Europa Unterstützung zum Sturz Ranavalonas I. organisieren und nach Madagaskar bringen sollte. Radama II sollte dann als König der Merina eingesetzt werden. Mit der Charta fuhr Lambert zurück nach Europa, um an den verschiedenen Höfen um Unterstützung zu werben. 1857 kehrte Lambert nach Madagaskar zurück, allerdings ohne die erhoffte Unterstützung. Daraufhin beschlossen er und Prinz Radama II., den Sturz der Königin ohne weitere Hilfe durchzuführen. Doch noch im gleichen Jahr flog die Verschwörung gegenüber Ranavalona I. auf. Daraufhin setzte die Königin durch, alle Nicht-Madagassen aus der Hauptstadt und später aus dem ganzen Land zu vertreiben oder zu töten. Lambert konnte zusammen mit einigen wenigen Überlebenden nach Mauritius fliehen.

Im August 1861 starb Ranavalona I., und ihr zu dieser Zeit 32jähriger Sohn wurde letztendlich doch König der Merina. Unter Ranavalona I. hatte sich das madagassische Volk bis dahin von etwa 5 Millionen Menschen auf weniger als die Hälfte reduziert.

Fotos im Slider:
– Madagassen schmelzen Eisen
– Ranavalona I. mit ihrem Sohn
– Christenverbrennung unter Ranavalona I.
– Antananarivos Rova zu Zeiten Ranavalonas I.

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