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Die Madagaskar-Seidenspinne

Die meisten Reisenden gruselt es eher beim Anblick einer Spinne, doch die Madagassische Seidenspinne (Nephila inaurata madagascariensis) kann so Manchen eines Besseren belehren. Schon ihr Anblick ist besonders: Das Weibchen ist inklusive der Beine so groß wie eine menschliche Hand, der Körper ist schwarz mit einem goldgelben, weiß-grau gesäumten Streifen auf dem Rücken, die Beine sind breit schwarz-rot gestreift. Die Warnfarbe soll potenzielle Beutegreifer davon abhalten, die Seidenspinne zu fressen. Trotzdem ist sie häufig Futter für Vögel und größere Reptilien.

Schon der Name der Seidenspinne deutet jedoch auf ihr bedeutsamstes Merkmal hin: Ihre Netze sind weltweit berühmt für ihre beeindruckende Größe und Stabilität. In der Sonne leuchten einige Fäden außerdem golden, was auch zum Namen der Spinne geführt hat. Wissenschaftler nehmen an, dass die goldene Farbe zum einen Insekten, also potenzielle Beutetiere, anlockt, zum anderen aber auch der Tarnung des Netzes dienen kann.

Nephila madagascariensis
Weibchen im Netz

Jedes Netz wird täglich oder alle paar Tage in Teilen erneuert – die Seidenspinne ist also eigentlich ständig mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt. Die zu entfernenden Teile werden einfach vom Weibchen gefressen und mittels der Spinndrüsen wird an gleicher Stelle ein neues Stück Netz eingesponnen. Im Zentrum steht ein kleines, sehr fein gewobenes Netz (die sogenannte Nabe), in dem die Spinne selbst kopfüber sitzt. Drumherum wird zunächst ein Gerüst aus spiralförmigen Fäden gezogen, zwischen dessen Fäden später die klebrigen, golden reflektierenden Fangfäden (die sogenannte Fangspiralen) gewoben werden. Das gesamte Netz kann bis zu zwei Meter groß werden, und ist an Stützfäden zwischen Bäumen aufgehängt. Ab und zu sieht man auf Madagaskar ganze Ansammlungen Hunderter Seidenspinnen in Netzen, gewoben zwischen Strom– oder Telegrafenmasten. Passend zu ihren riesigen Netzen stammt der Gattungsname, Nephila, aus dem Altgriechischen, und bedeutet so viel wie „sie liebt es zu spinnen“.

Das Leben einer Madagassischen Seidenspinne beginnt als sogenannter Spiderling, der aus seinem Kokon schlüpft. Noch sind er und seine Geschwister winzig klein, gerade mal so groß wie ein Stecknadelkopf. Schon bald nach ihrer zweiten Häutung bauen die kleinen weiblichen Seidenspinnen ihr erstes Netz. Gefressen wird alles, was ins Netz passt – von der Fruchtfliege bis zum Schmetterling. Die große goldene Seidenspinne produziert ein Nervengift, mit dem sie ihre Beute per Biss bewegungsunfähig macht, um sie dann einzuspinnen und später zu verspeisen. Für den Menschen ist das Gift jedoch völlig harmlos. Dazu sind große goldene Seidenspinnen eher ruhig und friedfertig.

Nach fünf Häutungen ist das Männchen bereit zur Paarung. Es sieht jedoch ganz anders als sein weibliches Gegenstück aus: Es ist winzig, gerade mal 5 mm misst sein Körper. Das Männchen wartet in einer Ecke des riesigen Netzes seiner Partnerin auf die Geschlechtsreife derselben, die sechs Häutungen mehr benötigt – und dann auf eine gute Gelegenheit. Meist bietet die sich, wenn das Seidenspinnen-Weibchen mit der Futteraufnahme beschäftigt oder sich gerade am Häuten ist. Anderenfalls kann es leicht passieren, dass das kleine Männchen im wahrsten Sinne des Wortes zum gefundenen Fressen für seine Angebetete wird.

Nephila madagascariensis
Genau hinschauen: Ganz oben im Bild ist das winzige Männchen zu sehen! Mittig im Netz hängt das große Weibchen

Wird es nicht verspeist, ist das Leben des Männchens der großen goldenen Seidenspinne trotzdem schon nach sechs Monaten zu Ende. Das Weibchen lebt etwa doppelt so lange, um seine Eier abzulegen und so für die nächste Generation Seidenspinnen zu sorgen. Die Eier werden in einen Kokon eingewoben und nachts an einen Baumstamm oder unter ein Blatt geklebt. Nach rund einem Monat schlüpfen neuen Spiderlinge, bleiben aber bis zur ersten Häutung – also zwei, drei Tage lang – in ihrem Kokon. Rund 100 bis 500 Spiderlinge sitzen in jedem. Erst mit der zweiten Häutung, nach drei bis vier Wochen, zerstreuen sich die vielen jungen Spiderlinge und es beginnt eine neue Generation, den madagassischen Trockenwald zu erkunden.

Aus den alten Kokons werden übrigens in einigen Orten Madagaskars Fäden gewoben, aus denen Schals und Tücher hergestellt werden. Die Herstellung von Kleidungsstücken aus den Spinnfäden selbst ist ungleich aufwändiger und teurer, weshalb es nur drei aus madagassischer Spinnenseide gewobene Textilien weltweit gibt: Ein Baldachin, vorgestellt auf der Weltausstellung 1900 in Paris, und ein goldener Schal, der 2004 von zwei Designern aus knapp einer Million Spinnenfäden hergestellt wurde. 2012 legten die beiden noch einmal nach und stellten einen riesigen goldenen Umgang her. Der Baldachin von 1900 ist heute leider verschwunden.

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