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Der Giraffenhalskäfer

Einen der bekanntesten, aber auch skurrilsten Käfer Madagaskars kann man in den Regenwäldern im Osten der Insel entdecken: Den wegen seines langen Halses so benannten Giraffenhalskäfer (Trachelophorus giraffa). In den Nationalparks von Andasibe-Mantadia, Marojejy und Ranomafana kann man ihn am besten finden, besonders im Frühjahr.

Giraffenhalskäfer
Zeichnung in einem Buch von 1883 (Insects abroad von Wood)

Schon 1860 entdeckte der französische Insektenforscher Henri Jekel die kleinen Käfer während einer Expedition nach Madagaskar. Er gab dem Giraffenhalskäfer seinen Namen und beschrieb sein Aussehen zum ersten Mal. Seitdem wurden die Käfer nirgends anders auf der Welt gefunden, sind also in Madagaskar endemisch.

Giraffenhalskäfer werden zwar maximal 25 mm lang, gehören damit jedoch schon zu den größten Arten unter den Blattrollern (Attelabidae). Der Körper ist schwarz, nur die leuchtend roten, seltener orangefarbenen Deckflügel stechen sofort ins Auge und dienen als sogenannte Warntracht der Abschreckung von Fressfeinden.

Männchen und Weibchen sind leicht zu unterscheiden: Das Männchen hat einen deutlich längeren Hals, der bis zur Hälfte seiner Gesamtlänge ausmacht. Das gesamte Leben der kleinen Tiere ist an nur zwei kleinwüchsige Bäume gebunden, Dichaetanthera arborea und cordifolia. Beide gehören zu den Schwarzmundgewächsen, wachsen eher strauchartig und tragen fein behaarte, grüne Blätter. Während ihres gesamten Lebenszyklus von geschätzt einem Jahr entfernen sich Giraffenhalskäfer nie besonders weit von ihren Bäumen. Es wird vermutet, dass sie sich vom Pflanzensaft der Blätter ernähren, ganz genau ist das aber noch nicht erforscht.

Giraffenhalskäfer
Ein Weibchen beim Rollen eines Blatts

Bei der der Balz kämpfen die Männchen um einzelne Weibchen, indem sie mit ihren Hälsen aneinander schlagen und sich gegenseitig vom Blatt zu drängen versuchen. Wer erfolgreich ist, darf sich mit dem umworbenen Weibchen paaren. Letzteres verbringt viel Zeit mit dem mühevollen Verpacken der Eier: Je ein einzelnes Ei wird auf ein einzelnes Blatt gelegt. Dann faltet das Weibchen sorgsam die Ränder ein und rollt das Blatt auf, wobei der lange Hals sehr nützlich ist. Die über eine halbe Stunde lang geformte Rolle wird zum Schluss abgebissen und fällt auf den Waldboden. Die kleinen, gelblichen Larven schlüpfen später in der dicken Laubschicht, und ernähren sich in den ersten Phasen ihres Lebens von genau dem Blatt, in das sie als Ei eingewickelt waren. Später werden sie zur Puppe, bevor daraus ein neuer Käfer schlüpft.

Wie alle Insekten Madagaskars sind Giraffenhalskäfer nicht geschützt, da Untersuchungen zu Verbreitung, Lebensweise und Populationsgrößen bisher völlig fehlen. Die Art profitiert jedoch davon, unter anderem in Nationalparks vorzukommen, in denen jegliche Tierentnahme – auch die von Insekten – verboten ist. Wer sich mit dem Fotografieren von Giraffenhalskäfern begnügen möchte, sollte ein wenig Geduld mitbringen. Stört man den gefundenen Käfer zu sehr, fährt er seine durchsichtigen Flügel aus und fliegt behäbig wie ein kleiner Helikopter davon. Aber wo einer ist, sind meist auch andere Giraffenhalskäfer.

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